Hommage an das Berlin des 20er Jahre

13. November 2001, 11:00
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Stella-Musical: Uraufführung von "Emil und die Detektive"

Berlin - Erich Kästners "Emil und die Detektive" jagen nach mehreren Verfilmungen den fiesen Ganoven Grundeis jetzt auch tanzend auf der Musicalbühne. Am Montagabend erlebte im Berliner Stella-Musicaltheater am Marlene-Dietrich-Platz die Musicalfassung von Marc Schubring (Musik) und Wolfgang Adenberg (Buch und Liedtexte) ihre Weltpremiere. Es ist, wie Stella betont, "die einzige von den Kästner-Erben und dem Verlag Kästners autorisierte Musiktheater- Fassung des Romans". Die Musik lehnt sich an die schrägen Klänge der 20er Jahre an.

Die Kinder im Premierenpublikum gingen lebhaft mit und sparten nicht mit Beifall, auch wenn die Musicalfassung nicht an die Pfiffigkeit der Vorlage oder die Spannung der Filmversionen heranreicht. Es ist oft ein eher harmlos-bemühtes Spiel vom Räuber und Gendarm mit einem dazu passenden Wachtmeister wie aus dem Kasperltheater - merkwürdig genug an einem Ort wie dem Potsdamer Platz, der wie kaum ein anderer die Neuzeit repräsentiert - mit neuen Kindern, wie sie vielleicht Kästner heute auch gerne sehen würde.

Schiebermütze und Knickerbocker

Regie führte der künstlerische Direktor von Stella Entertainment, der Amerikaner Michael Pinkerton. Das Bühnenbild von Christoph Weyers lehnt sich stark an die Originalillustrationen von Walter Trier in der Erstausgabe des Kinderbuchklassikers an. Auch die Kostüme sind dieser Zeit der 20er Jahre entlehnt mit Schiebermütze und Knickerbocker.

Anders also als die jüngste Neuverfilmung von Franziska Buch vom vergangenen Februar (mit Jürgen Vogel als Ganove), die die Handlung in das Berlin der Gegenwart verlegte, bleibt das Musical in der Zeit der Entstehung des Kinderbuches. Das bietet den Charme der Originalstory mit jener Atmosphäre des Berlin der 20er Jahre, und der Regisseur versteht seine Arbeit auch ausdrücklich als eine Hommage an Berlin, offenbar an seine "goldenen Zwanziger Jahre", die ja auch viel verklärt werden.

Die Darsteller der Kinder-Detektive schlagen sich mit unterschiedlichem Geschick. In der Premierenbesetzung war ausgerechnet der Titeldarsteller (David Hofmann) eine Enttäuschung. Er war ein oftmals etwas linkisch herumstehender Junge, der im wahrsten Sinne des Wortes blass blieb. Umso mehr fielen dadurch einige gewitzte Mitspieler auf, allen voran Falk-Arne Goßler als Gustav mit der Hupe. Der eine oder andere Patzer beim Tanzen der Kinder - da fiel so mancher auf die Nase - mag der Premierenaufgeregtheit geschuldet gewesen sein. (APA)

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