Rugova erklärt sich zum Sieger

19. November 2001, 09:24
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Die angestrebte absolute Mehrheit der Demokratischen Liga Kosovos (LDK) wurde aber verpasst

Pristina/Belgrad - Die ersten demokratischen Parlamentswahlen im Kosovo verliefen am Wochenende ohne Zwischenfälle. Die UN-Zivilverwaltung Unmik, die die Wahlen organisiert hatte, konnte erleichtert aufatmen. Die rund 45.000 Soldaten der UN-Friedenstruppe Kfor und die internationale Polizei mussten kaum eingreifen.

Die albanische Bevölkerung beteiligte sich mit rund 65 Prozent an den Wahlen, meldete am Sonntag die "Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (OSZE). Bei den 180.000 in der Provinz wahlberechtigten Serben lag die Wahlbeteiligung knapp über 50 Prozent, und das obwohl lokale Serbenführer zum Wahlboykott aufgerufen haben. Für serbische Flüchtlinge wurden Wahllokale in Serbien und in Montenegro eröffnet.

UNO-Verwalter für den Kosovo Hans Häkkerup gab sich sichtlich zufrieden. Die Wahlbeteiligung der Albaner sei erwartungsgemäß hoch gewesen, die starke Beteiligung der nationalen Minderheiten im Kosovo ermögliche aber "die Bildung einer autonomen Regierung und eines Parlaments, in dem alle Volksgruppen vertreten sind".

Unabhängigkeit des Kosovo

Laut den Hochrechnungen führt die Demokratische Liga Kosovos (LDK) unter dem Vorsitz des moderaten Ibrahim Rugova deutlich mit knapp 45 Prozent der Stimmen, vor der Demokratischen Partei (PDK) des ehemaligen Kommandanten der "Kosovo-Befreiungsarmee" (U¸CK) Hashim Tha¸ci, die bei 24 Prozent liegt. Die dritte albanische Partei, die Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK), die vom ehemaligen Milizenführer Ramush Haradinaj angeführt wird, kann mit rund acht Prozent der Stimmen rechnen.

Alle drei albanischen Parteien setzten sich während der Wahlkampagne entschieden für die Unabhängigkeit des Kosovo ein. Die Programme der drei Parteien unterscheiden sich kaum voneinander.

Schon am Sonntag erklärte sich Rugova in seinem Haus in Pristina zum Sieger der Parlamentswahlen. Zur Zeit der serbischen Repression in der Provinz wurde der Pazifist bei albanischen, damals von Belgrad nicht anerkannten Wahlen, schon einmal zum Präsidenten des Kosovo gewählt. Er rief die Staatengemeinschaft auf, "auch formal die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen, die die Region näher dem Frieden bringen würde". Die neuen, legal gewählten Institutionen sollten allmählich die Verantwortung von der Unmik übernehmen und den Weg in die Selbstständigkeit ebnen.

Die serbische Koalition "Povratak" (Rückkehr) kommt nach den ersten Angaben auf etwa zehn Prozent. Mit zehn garantierten Sitzen im Parlament wird die serbische Minderheit mit etwa 20 von insgesamt 120 Abgeordneten vertreten sein. Vor den Wahlen unterzeichneten Häkkerup und Jugoslawiens Präsident Vojislav Kostunica ein Abkommen, das die Rückkehr der Flüchtlinge vorsieht und garantiert, dass der Kosovo ein Bestandteil Serbiens bleiben würde. (DER STANDARD, Print, 19.11.2001)

STANDARD-Korrespondent Andrej Ivanji
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