Entscheidung um Anschlag auf Berliner Disco "La Belle": Vier Täter verurteilt

13. November 2001, 21:10
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Zwei Mal 15 und zwei Mal zwölf Jahre Haft - Deutsche Regierung fordert Libyen zu Opfer-Entschädigung auf

Berlin - Im Prozess um den Terroranschlag auf die Diskothek La Belle vor 15 Jahren hat das Berliner Landgericht am Dienstag vier Angeklagte zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Zwei Angeklagte erhielten 15 Jahre Gefängnis wegen Mordes und Mordversuches, zwei weitere Angeklagte wurden zu zwölf Jahren verurteilt. Eine fünfte Angeklagte wurde freigesprochen.

USA: Libyen für den Anschlag verantwortlich

Bei dem Anschlag auf die bei amerikanischen Soldaten beliebte Diskothek kamen drei Menschen ums Leben, mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft sah darin einen von Libyen gesteuerten Akt des Staatsterrorismus. Die USA hatten Libyen für den Anschlag verantwortlich gemacht und die libyschen Städte Tripolis und Bengasi bombardiert.

Laut Urteil des Berliner Landgerichts war das Attentat von Mitarbeitern des libyschen Geheimdienstes federführend geplant worden. Dies sagte der Vorsitzende Richter Peter Marhofer in der Urteilsverkündung. Die Angeklagten seien auf skrupellose Weise für eine politische Machtdemonstration missbraucht worden.

Deutsche Regierung fordert Libyen zu Opfer-Entschädigung auf

Die deutsche Regierung hat Libyen aufgefordert, die Opfer des La-Belle-Anschlags zu entschädigen. Die Betroffenen hätten ein Recht darauf, zumal Libyen auch in anderen Fällen Entschädigung geleistet habe, hieß es am Dienstag in einer Stellungnahme. Das zuvor ergangene Urteil des Berliner Landgerichts begrüßte die Bundesregierung als rechtsstaatliche Antwort auf das "menschenverachtende" Attentat und drückte den Opfern erneut ihr Bedauern und Mitgefühl aus.

Bei dem Bombenanschlag auf die vor allem von Amerikanern besuchte Diskothek La Belle in Berlin waren 1986 drei Menschen getötet und 230 zum Teil schwer verletzt worden. Nach einem vier Jahre währenden Prozess verurteilte das Landgericht vier Angeklagte zu langjährigen Haftstrafen und machte Libyen mitverantwortlich: Mitglieder seines Geheimdienstes seien bei der Vorbereitung des Anschlags "federführend" gewesen.

Wandel der libyschen Politik

Die Regierung wies darauf hin, dass das Attentat 15 Jahre zurück liege und seit einiger Zeit ein Wandel der libyschen Politik zu verzeichnen sei. Das Land suche den Anschluss zur internationalen Völkergemeinschaft. In diesem Zusammenhang seien auch die jüngsten Äußerungen der libyschen Staatsführung, die den internationalen Terrorismus klar abgelehnt habe, als konstruktiv zu werten.

"Die Bundesregierung fordert Libyen auf, die Ernsthaftigkeit seiner neuen Politik dadurch zu untermauern, dass es sich im Lichte des Urteils seiner Verantwortung für den La-Belle-Anschlag stellt und mit den Opfern zu einer Entschädigungsregelung gelangt", hieß es in der vom Bundespresseamt verbreiteten Erklärung. Sie habe in dem Verfahren die Justiz aktiv unterstützt und stets erklärt, die Opfer nach Vorliegen eines Urteils, das die Verantwortung libyscher Stellen feststelle, bei einer Entschädigungsregelung zu unterstützen. (APA/AP)

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