Infineon mit tiefroten Zahlen

13. November 2001, 15:11
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5.000 Arbeitsplätze werden abgebaut - Halbleiterhersteller mit gedämpften Aussichten

München - Nach einem Milliardenverlust im abgelaufenen Geschäftsjahr sieht der angeschlagene Halbleiter-Hersteller Infineon kein Ende der Krise. Auch im laufenden und im nächsten Quartal sei bei anhaltend niedrigen Speicherchip-Preisen mit Verlusten im Konzern, der auch in Österreich in Villach mit einer Tochter vertreten ist, zu rechnen, sagte Vorstandschef Ulrich Schumacher am Dienstag in München. Infineon verfüge aber über ein komfortables Finanzpolster. Zudem werde das Sparprogramm, das auch den Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen beinhaltet, bald greifen. Entgegen den Spekulationen wolle sich Infineon auch bei einem Bündnis mit dem Konkurrenten Toshiba auf absehbare Zeit nicht aus dem Speichergeschäft zurückziehen. Infineon sei technologisch gut aufgestellt. "Was jetzt noch fehlt, ist, dass der Markt zurückkommt."

Die Österreich-Tochter des Halbleiter-Herstellers Infineon wird erst am 11. Dezember bei der Hauptversammlung das Jahresergebnis beschließen. Zu den Gesamtzahlen des Konzerns gab es seitens der heimischen Niederlassung keinen Kommentar. Ob es zusätzliche Sparmaßnahmen oder Personalkürzungen geben werde, darüber könne man nichts sagen, hieß es aus dem Unternehmen.

Milliardenverlust

Im Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) machte die Infineon Technologies AG im Konzern vor Steuern und Zinsen einen Verlust von 1,02 Mrd. Euro (14 Mrd. S). Im Vorjahreszeitraum erzielte die Siemens-Tochter noch einen Gewinn von 1,67 Mrd. Euro. Damit war das Minus noch höher, als von vielen Analysten erwartet. Allein im vierten Quartal betrug der Verlust vor Steuern und Zinsen 882 Mill. Euro, deutlich mehr als im dritten Quartal (598 Mill. Euro). Der Infineon-Aktienkurs stieg dennoch um zeitweise sieben Prozent auf 21,55 Euro.

Umsatzeinbruch

Auch beim Umsatz wirkten sich der Preisverfall bei Speicherchips und die Flaute in der Computer- und Handybranche drastisch aus. Im Geschäftsjahr sanken die Erlöse um 22 Prozent auf 5,67 Mrd. Euro. Im vierten Quartal halbierte sich der Umsatz im Konzern verglichen mit dem Vorjahr auf 1,09 Mrd. Euro. Bei Speichern brachen die Erlöse im Quartal um 81 Prozent ein. Allein die Auto- und Industrieelektronik arbeitete operativ leicht profitabel.

Der Nettoverlust im Gesamtjahr betrug 591 Mill. Euro. Finanzvorstand Peter Fischl stellte klar, dass Infineon auch im ungünstigsten Fall die kommenden Monate ohne eine weitere Kapitalerhöhung überstehen kann. Infineon verfüge über einen Netto-Cash-Bestand von 568 Mill. Euro und über ungenutzte Kreditlinien von 1,6 Mrd. Euro. Das Unternehmen hatte im Sommer mühsam eine Kapitalerhöhung platziert und knapp 1,5 Mrd. Euro erlöst.

Kooperationsgespräche

Die Gespräche mit Toshiba über eine Kooperation im Speicherbereich seien noch nicht beendet, sagte Schumacher. Dem Vernehmen nach will Infineon bei der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens die Restrukturierungskosten von 500 Mill. Euro bei Toshiba keinesfalls übernehmen. Analysten erwarteten bisher, Infineon werde bei einer Einigung den dann größeren Speicherbereich in gut einem Jahr an die Börse bringen und die Mehrheit abgeben. "Aus heutiger Sicht ist nicht geplant, aus diesem Segment auszusteigen", sagte Schumacher aber.

Analysten verhalten optimistisch

Analysten zeigten sich trotz der schlechten Infineon-Zahlen verhalten optimistisch. "Es ist nicht das Ergebnis, sondern die Marktsituation, die bei Infineon eine Rolle spielt", sagte Oliver Wohjahn von der Hamburger Berenberg Bank. Die Nachricht vom Rückzug zweier taiwanesische Chiphersteller belebe den Kurs. Die Analysten von Helaba Trust schrieben in einer Studie, bei DRAM-Chips habe der Preis wohl langsam einen Boden gefunden. In den kommenden Monaten sei mit einer Erholung zu rechnen. (APA)

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