Makaber: Tabak-Konzern verdient zweifach am Krebs

12. November 2001, 21:54
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Japan Tobacco soll Exklusivrechte an der Vermarktung künftiger Lungenkrebs-Impfstoffe besitzen

London - Japan Tobacco, das weltgrößte drittgrößte Tabakunternehmen, wird beschuldigt, Mrd. Dollar schwere Geschäfte mit Erkrankungen zu machen, die durch das Rauchen verursacht werden. Das Unternehmen soll Geschäfte mit Biotech-Unternehmen tätigen und laut Berichten des Guardians die Exklusivrechte an der Vermarktung künftiger Lungenkrebs-Impfstoffe besitzen. Ein derartiger Impfstoff würde andere, durch den Tabak verursachte Erkrankungen der Lungen oder des Herzens nicht stoppen. Der von Tabakunternehmen promotete Impfstoff soll Raucher im Glauben lassen, dass dieser eine Behandlungsmöglichkeit darstellt. Japan Tobacco vertreibt die Marken Camel, Winston, Mild Seven und die Mentholzigarette Salem.

Kritisiert wird der Konzern von der unabhängigen Ethik-Organisation GeneWatch. Laut der stellvertretenden Direktorin Helen Wallace soll das Biotech-Unternehmen Corixa Corp. in Seattle involviert sein. Die Firma arbeitet an der Patentierung des menschlichen Lungenkrebs-Gensequenz. Japan Tobacco soll Corixa die Exklusivrechte für den späteren Verkauf des Impfstoffes sowie Produkten zur Prävention bzw. Behandlung von Lungenkrebs abgekauft haben. Das Veräußerungsrecht gelte hauptsächlich für Nordamerika und Japan. Ein weiterer Vertrag betrifft das kalifornische Unternehmen Cell Genesys. Rund 19 Mio. Pfund des Tabakkonzerns sollen in die Forschung des Biotech-Konzerns geflossen sein.

Sowohl Corixa als auch Cell Genesys verteidigen die Verträge mit Japan Tobacco und bekräftigen, dass sie lediglich mit dem pharmazeutischen Arm des Unternehmens Geschäfte tätigen würden. Jennifer Williams von Cell Genesys meinte zu den 1998 geschlossenen Verträgen, dass zu diesem Zeitpunkt die finanzielle Lage wesentlich schlechter war als in der Gegenwart. Japan Tobacco rechtfertigt die Geschäfte vergangener Jahre, dass die Verträge aufgrund schlechter Wachstumsprognosen auf dem Tabaksektor geschlossen wurden.

"Japan Tobacco will jede Anstrengung in der Prävention von Erkrankungen blockieren, die an vorderster Front stehen und schlägt Profit aus der Verwischung ihres Mists, den ihre Produkte hinterlassen", so Clive Bates von Action on Smoking and Health. Lungenkrebs sei nur eine von 50 Erkrankungen, die durch das Rauchen ausgelöst werden können. Eine wirksame Impfung sei kein Allheilmittel. (pte)

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