Europäische Regierungen ordern Pocken-Impfstoff in der Schweiz

12. November 2001, 19:11
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Grund dafür liege in "der aktuellen Weltlage" - Waneck: "Wir sagen nichts"

Bern/Wien - Mehrere europäische Regierungen haben beim Schweizer Impfstoff-Produzenten Berna Biotech den Pocken-Impfstoff Lancy-Vaxina bestellt. Die Bestellungen des sofort verfügbaren Impfstoffs wurden von Berna Biotech in einer Mitteilung vom Montag in Bern mit der aktuellen Weltlage begründet. Verhandlungen mit weiteren Staaten seien im Gange. Ein Sprecher von Österreichs Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck meinte dazu kurz: "Wir sagen nichts."

Berna verfügt laut eigenen Angaben über große Bestände des in der Ausrottung von Pocken bewährten, durch spezielle Lagerung immer noch hoch wirksamen Impfstoffs. Die abgeschlossenen Verträge werden in den nächsten Monaten bei Berna einen einmaligen, zusätzlichen Umsatz von 1,41 Milliarden Schilling generieren. Das Unternehmen könnte noch zusätzliche, jedoch begrenzte Mengen dieses Pocken-Impfstoffs bereitstellen.

Diese noch vorhandenen Mengen könnten zu einem weiteren einmaligen Umsatz von bis zu 656 Millionen Schilling führen. Berna Biotech ist laut eigenen Angaben ein führendes Unternehmen in der Entwicklung und Produktion von Virus- und Bakterien-Impfstoffen.

Vertraulichkeit vereinbart

"Wir haben mit den Ländern abbesprochen, dass sie selber informieren können. (...) Wir waren Hauptlieferanten für Pockenimpfstoff bei der Kampagne zur Ausrottung der Krankheit. Berna Biotech hat den ersten Pockenimpfstoff vor rund 100 Jahren entwickelt", erklärte der Generalsekretär des Unternehmens, Patrik Richard, Montagmittag zu den berichteten Vakzin-Bestellungen europäischer Staaten. Man habe mit den einzelnen Ländern Vertraulichkeit vereinbart.

Da die Wildvirus-Pockenviren ja weltweit ausgerottet sind - die Ängste bzw. Vorkehrungen betreffen potenzielle Biowaffen-Attacken - handle es sich laut dem Berna-Manager um die "restlichen Lagerbestände", welche das Unternehmen anbieten könne. Richard: "Sie kommen aus der Produktion vor rund 20 Jahren. Wir haben aber jährliche Kontrollen auf die Wirksamkeit durchgeführt. Sie hat sich nicht verändert. Der Impfstoff ist gefriergetrocknet."

Berna Biotech gehört im Kreis der Impfstoffhersteller eher zu den kleineren Unternehmen, hat aber auch interessante Neuentwicklungen laufen. Dazu gehört auch ein Influenza-Vakzin als Nasenspray. Unangenehmerweise musste das Unternehmen aber diesen Impfstoff - in der Schweiz bereits zugelassen - vorerst zum Markt zurückziehen, da es zu Nebenwirkungen gekommen ist. Laut Richard soll jetzt das Ergebnis einer neuen klinischen Studie abgewartet werden, die im kommenden Frühjahr fertig sein wird. (APA)

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