Haupts "Umfärbeleien": Maskierung in Blau - Von Lisa Nimmervoll

12. November 2001, 19:07
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Malermeister Herbert Haupt will kräftig im Farbtopf rühren, auf dass sein Ministerium in Blau oder - als generöse Geste an den Koalitionspartner - eventuell auch ein bisschen in Schwarz erstrahle. Allein, die ästhetische Komponente der Umfärbelung des Sozialministeriums ist höchst umstritten. Eventuelle Rottöne sollen verschwinden, altgediente Beamte sollen in die Pension gedrängt oder durch dem Minister genehmere Parteigänger ersetzt werden.

Haupt ist bemüht, den Vorgang als "etwas ganz Normales" im Rahmen einer Umstrukturierung herunterzuspielen - anders als Vizekanzlerin Riess-Passer, die bei der Bestellung des ORF-Stiftungsrates offen bekundete, sie wolle dort "Vertraute von mir, nicht Bekannte von anderen sitzen" haben.

Haupt möchte die Vertrauten seiner Vorgänger durch vertraute Gesichter ersetzen, was Minister aller Couleurs immer taten. Die Optik ist aber schief, das Vorgehen wirkt auch nicht ganz professionell. Das liegt sicher an der äußerst mageren Personalreserve der FPÖ. Der Kreis potenzieller und qualifizierter Kandidaten ist extrem klein. Immer wieder tauchen Mitarbeiter aus dem engsten Umfeld des Ministers oder aus dem blauen Kernland Kärnten zu höheren Weihen auf.

Angesichts der Vergangenheit der FPÖ wirkt die jetzige Argumentation des Sozialministers doppelzüngig. Als Oppositionspartei, fern der Macht, kritisierte sie an den "Altparteien" genau diese Besetzungspraxis nach der reinen Farbenlehre der Parteien. Linientreue Vasallen garantiert diese Form der Besetzung mit Parteifreunden aber auch nicht. Der neue Hauptverbandspräsident Herwig Frad etwa leistet Minister Haupt bisher kaum weniger harten Widerstand als sein streitbarer Vorgänger Hans Sallmutter. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.11.2001)

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