Der Papst im Eurogeldbeutel

12. November 2001, 18:38
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Der Vatikan kommt durch Italiens Hintertüre zur Gemeinschaftswährung

Rom - In wenigen Monaten könnten im gesamten Euro-raum verdutzte Bürger eine Euromünze mit dem Konter- fei von Papst Johannes Paul II. und der Aufschrift "Citta del Vaticano" in ihrem Geldbeutel finden. Denn der Vatikan, der formell ein eigenständiger Staat ist, ist dank der seit Jahrzehnten bestehenden Währungsunion mit Italien gewissermaßen durch die Hintertür Euromitglied geworden.

Bisher zierte Papst Johannes Paul II. die Liremünzen, die die italienische Münzprägeanstalt extra für den Kirchenstaat angefertigt hat. Ab 1. Jänner 2002 bekommt auch der Papst seine Euro-münzen.

Im Gegensatz zu den Euromünzen der zwölf Euromitglieder sind die des Vatikans noch nicht der Öffentlichkeit präsentiert worden. Sie habe mit der Produktion der Münzen auch noch nicht begonnen, berichtete die italienische Münzprägeanstalt. Derzeit läuft die Herstellung der Lire-münzen - insgesamt mehr als sieben Milliarden Stück - noch auf Hochtouren. Der Vatikan kommt demnächst dran; die Prägung der Münzen im Gesamtwert von nur 670.000 Euro wird aber nur wenige Tage in Anspruch nehmen.

Für Sammler

Vor allem Sammler dürften auf die vatikanischen Euro-münzen scharf sein. Es gebe bereits rund 60.000 Sammler in aller Welt, die vom Vatikan regelmäßig mit den neuesten Geldstücken beliefert werden, sagte Amalia D'Alascio vom Vatikanischen Münzbüro.

Allerdings gibt es auch Bedenken gegen den "Papsteuro": Vor allem die auf strenge Trennung von Staat und Kirche bedachten Franzosen stoßen sich daran, den Papst bald im Geldbeutel zu haben.

Doch mit den Münzen allein ist es nicht getan - denn der Vatikan wird natürlich auch seine Briefmarken, die zu seinen wichtigsten Einnahmequellen gehören, auf Euro umstellen. Dann können auch diese im gesamten Euroraum auf Postkarten und Briefe geklebt werden.

Kurz vor dem Start des Eurobargeldes lässt der Vatikan seine letzten "Papstlire" prägen. Wie die Philatelie-und Numismatikbehörde des Kirchenstaates am Montag mitteilte, sollen die Münzen an jene Päpste erinnern, die in den vergangenen Jahrzehnten eigene Versionen der italienischen Landeswährung in Auftrag gaben. (dpa, DER STANDARD, Printausgabe 13.11.2001)

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