Waldrapps Alpenflug

12. November 2001, 19:47
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Nach 350 Jahren soll der Vogel endlich wieder in Freiheit über die Alpen ziehen

Grünau - Über Wald und Wiesen des oberösterreichischen Almtals flattern sie schon wieder, die Waldrappen aus der Grünauer Konrad-Lorenz-Forschungsstelle. Nun sollen die Krummschnabeltiere mit den schwarzen Federkrägen auch noch lernen abzuheben und davonzufliegen, wie es sich für echte Zugvögel gehört, schildert Forschungsstellenleiter Kurt Kotrschal.

Die erste Waldrapp-Alpenüberquerung seit 350 Jahren - in der Not des Dreißigjährigen Krieges waren die Vögel in unseren Breitengraden, wie Kotrschal sagt, "alle aufgegessen" worden - wurde für 2002 oder 2003 ins Auge gefasst. Zwei Dissertanten planen, die Rappen in Leichtfliegern zu begleiten und den Stapelflug filmisch festzuhalten.

In Sachen Ausstrahlungsrechte stehe man derzeit mit drei Fernsehstationen in Verhandlung, erläutert der Zoologe. Das Geld werde man gut brauchen können, verschlinge doch das händische Aufpäppeln und flügge machen pro Tier 50.000 Schilling (3633 EURO): Alles in allem "eine zähe Angelegenheit", deren Erfolg nicht zuletzt durch des Vogels ausgeprägte Zutraulichkeit bedroht sei.

Einem Waldrappen, so Kotrschal, könne man sich bis auf einen Meter nähern, ohne dass er sich davonmache. Das sei auch historisch überliefert: In der mittelalterlichen Stadt Salzburg etwa sei es "behördlich untersagt gewesen, von den Fenstern in der Getreidegasse aus auf die Waldrappen zu schießen". (bri,derstandard,print-ausgabe,13.11.2001)

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