Lobautunnel am Prüfstand

12. November 2001, 19:07
posten

Strategische Umweltprüfung soll mehr als nur die Nordostumfahrung klären

Wien - "Jetzt sind wir genau dort, wo wir nicht sein sollten", seufzt Karl Glotter von der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung). Aber daran wird er sich wohl auch gewöhnen müssen. Bei der "Strategischen Umweltprüfung für den Nordosten Wiens" (kurz: SUPerNOW) sollen bis Ende 2002 allgemeine Entwicklungsszenarien für die Bezirke Floridsdorf und Donaustadt erarbeitet werden. Doch alle stürzen sich natürlich gleich auf eines: Die sechste Donauquerung und die Nordost-Umfahrung von Wien.

Vier Möglichkeiten stünden für die Verlängerung der Südrandstraße B301 - die gerade errichtet wird - grundsätzlich zur Auswahl, erklärte Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) Montag zum Auftakt der "SUPerNOW": Entweder ein Tunnel unter der Lobau und dann weiter in Richtung Raasdorf/Süßenbrunn zum Anschluss an die A5 in Richtung Norden. Oder der Ausbau der Raffineriestraße bis zur Südost-Tangente A23. Oder beide Varianten gleichzeitig. Oder keine von beiden.

Ein Dilemma

Einerseits: "Wir müssen eine Lösung für eine weitere Donauquerung finden", ist Schicker überzeugt. Andererseits: "Bei der Variante Raffineriestraße haben wir das Problem der Kurzfristigkeit - der Knoten Seestern bei der A23 ist schon jetzt überlastet", gibt der Planungsstadtrat zu bedenken. Weiters "tangieren wir mit der Straße ein riesiges Naherholungsgebiet". Und: "gehen wir in Tieflage, werden Grundwasserströme beeinflusst". Und zwar die für die Au lebenswichtige Verbindung zwischen Donau und Lobau. Dazu kommt noch: "Würde ein Lobautunnel errichtet, dürften im Nationalpark keine technischen Einrichtungen errichtet werden. Da ist die Frage, was man mit den Lüftungseinrichtungen macht."

Und so bleibt Schicker vorerst nur eine Überlegung: "Wenn es gelingen sollte, die Lobau unterhalb der Grundwasserströme zu queren, sollte man dazu nicht apodiktisch Nein sagen." Aber wie und ob überhaupt - das soll eben die strategische Umweltprüfung klären. Die bis Ende 2002 von Rathaus-internen und externen Experten und bei umfassenden Diskussionen mit Verkehrsorganisationen und der Bevölkerung durchgeführt werden soll.

Glotter will als Koordinator trotzdem dafür sorgen, dass auch die anderen Themen für Transdanubien - wie Land-und Forstwirtschaft, Wirtschaftsentwicklung und Raumordnung - beim Ausbreiten der verschiedenen Straßenpläne nicht unter den Tisch fallen. "Von mir heißt es ja ohnehin schon, dass ich den letzten Grashalm von Wien verteidige", seufzt Glotter noch einmal. (freiderstandard,print-ausgabe,13.11.2001)

Share if you care.