Sanierung der deutschen Softwarefirma Brokat droht zu scheitern

12. November 2001, 17:59
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Umsatz bricht ein

Die Sanierung des angeschlagenen Softwareunternehmens Brokat droht endgültig zu scheitern. Die Gläubiger einer Hochzinsanleihe des Unternehmens konnten sich bis zur außerordentlichen Hauptversammlung am Montag nicht auf die vom Vorstand vorgeschlagenen Rettungsmaßnahmen einigen; der Verkauf eines Geschäftsbereichs in die USA wurde gestoppt. Gleichzeitig meldete die Brokat AG (Stuttgart) Überschuldung an. Kommt eine Einigung mit den Bondholdern nicht zu Stande, müsste Brokat demnach in spätestens drei Wochen Insolvenz anmelden.

Der Vorstand werde "alle noch verbleibenden Alternativen ausloten", versprach der amtierende Vorstandschef Stefan Röver den Aktionären in Leinfelden-Echterdingen. Das kalifornische Unternehmen eOne Global hatte die Übernahme der Sparte für das elektronische Bezahlen per Handy von einer Einigung mit den Anleihegläubigern abhängig gemacht.

Diese Bondholder - nach Angaben von Brokat unter anderem die WestLB sowie Fonds und Banken aus den USA - sollen einer Auflösung der im vergangenen Jahr begebenen Anleihe zustimmen und im Gegenzug bis zu 60,6 Mill. Euro (834 Mill. S) in bar und die Mehrheit der Aktien an Brokat erhalten. Die bisherigen Aktionäre stimmten am Montagnachmittag den dazu notwendigen Kapitalmaßnahmen mit großer Mehrheit zu.

Der Umsatz von Brokat brach im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 75 Prozent auf 5,7 Mill. Euro zusammen. Der Nettoverlust lag bei 71 Mill. Euro. Der Aktienkurs des einstigen Börsenstars dümpelt bereits seit Wochen unter einem Euro und verlor am Montag weiter an Boden. Die Aktie fiel um gut 20 Prozent auf 0,5 Euro.

..Der Sanierungsplan von Brokat sah vor, dass das Unternehmen durch mehrere Verkäufe auf 160 Mitarbeiter schrumpft und sich auf Software für das Internet-Banking in Europa konzentriert. Als Berater hatten die Brokat-Manager den Sanierungsexperten Dirk Pfeil in den Aufsichtsrat geholt..

Finanzvorstand Michael Janssen, der als Vorstandschef für die neue Brokat AG vorgesehen ist, bekräftigte vor den Aktionären sein Konzept. "Ich sehe eine realistische Chance, das Kerngeschäft weiter zu erhalten", sagte Janssen. Für 2002 seien ein Umsatz von 25 Millionen Euro und schwarze Zahlen im zweiten Halbjahr angepeilt. Doch durch den Stopp der Transaktion mit eOne Global droht auch die Strategie des Gesundschrumpfens fehlzuschlagen. Ende September standen noch 882 Mitarbeiter von ursprünglich 1304 auf der Gehaltsliste von Brokat, davon 380 im Geschäftsbereich für das Bezahlen per Handy. (

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