Freispruch in Freistädter Spitalsaffäre

12. November 2001, 18:31
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Das Gericht zweifelt an der Schuld des angeklagten Oberarztes

Linz - Mit einem Freispruch endete Montagabend am Landesgericht Linz ein Strafprozess im Zusammenhang mit der Spitalsaffäre rund angebliche Behandlungsfehler im Landeskrankenhaus Freistadt in Oberösterreich. Das Gericht begründete den Freispruch mit Zweifeln an der Schuld des angeklagten Oberarztes der Chirurgie. Ihm war fahrlässige Tötung in zwei Fällen vorgeworfen worden. Der Oberarzt habe, so die Anklage, bei zwei Operationen im Bauchraum von Patienten in den Jahren 1997 und 1998 etwas übersehen. Beide Patienten sind später gestorben. Die medizinischen Sachverständigen sprachen - angesichts der ihnen erstmals vollständig vorliegenden Krankengeschichten und auf Grund der Zeugenaussagen - entgegen ihren vorher erstellten Gutachten im Prozess von "Missgeschicken" und auch "Fehlern", die nicht vorkommen sollten. Doch könnten diese auch "versierten Operateuren" passieren. Außerdem seien die beiden betagten Patienten schwer krank gewesen und das Risiko bei derartigen Eingriffen sei hoch. Nicht nachzuweisen sei zudem, dass die Patienten wegen der nachher festgestellten Fehler gestorben seien. Nachweis ohne Obduktion unmöglich

Der Nachweis war nicht möglich, weil in beiden Fällen keine Obduktionen durchgeführt worden waren. Auch der als Zeuge geladene Primar des Chirurgie in Freistadt - er ist so wie der Angeklagte dort nicht mehr tätig - war bei der Beurteilung der Qualität der Operationen sehr zurückhaltend, obwohl er 1999 mit einem Bericht über angeblich 150 Fehlbehandlungen seines Oberarztes die Affäre ins Rollen gebracht hatte. Richter Benedikt Weixlbaumer fällte deshalb einen Freispruch. Staatsanwalt Josef Reisinger, der zuvor so wie Verteidiger Kurt Lichtl zu den vorliegenden fünf Gutachten noch weitere beantragt hatte, gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig. Der Richterspruch ist der vorläufige Schlussstrich unter die Krankenhausaffäre. Sie hatte unter anderem eine Untersuchungskommission des Landtages wochenlang beschäftigt. Deren Bericht hatte zwar keine Konsequenzen für die politisch Verantwortlichen in der Landesregierung. Aber eine Reihe ihrer Empfehlungen wurde inzwischen umgesetzt, darunter die Ausgliederung der Landeskrankenhäuser in eine eigene Gesellschaft, um die zersplitteten Kompetenzen zu straffen. (APA)

von Michael Möseneder
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