WKÖ will 100.000 Jobs durch 30.000 neue Firmen

13. November 2001, 11:21
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Würde Fiskus zusätzlich zehn Milliarden Schilling fürs Budget bescheren

Wien - Die Wirtschaftskammer hofft für 2002 auf 30.000 neue Unternehmen in Österreich. Dies soll der heimischen Wirtschaft im kommenden Jahr knapp 100.000 neue Arbeitsplätze bringen und darüber hinaus den öffentlichen Kassen Mehreinnahmen von 10 Mrd. S (727 Mill. Euro) bescheren.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl sieht in diesen 10 Mrd. S einen "warmen Regen" für die öffentliche Hand, den das Budget 2002 dringend brauche. Im Gegenzug fordert er weitere Verfahrenserleichterungen bei Firmenneugründungen. Der bürokratische Hürdenlauf müsse vereinfacht werden.

Alpenrepublik zu Gründungsspitzenland machen

Ziel sei es, die Alpenrepublik von einem "Selbständigen-Nachzugsland zu einem Gründungsspitzenland" zu machen. Angesichts der "schwieriger Rahmenbedingungen" im kommenden Jahr sei die Gründung von Unternehmen "eines der besten Rezepte zur Stärkung der heimischen Wirtschaft", sagte Leitl am Montag vor Journalisten.

Derzeit liegt Österreich mit einem Selbstständigenanteil von 7 Prozent allerdings am unteren Ende im europäischen Vergleich. Die Tendenz ist aber in den vergangenen Jahren bereits steigend: Waren es nach Zahlen der Statistik Austria im Jahr 2000 noch 23.000 echte Firmenneugründungen, sollen es heuer mehr als 25.000 sein.

Weit vorne liegt Österreich laut Wirtschaftkammer Österreich (WKÖ) bei der Überlebenschance der Unternehmen. Die Überlebensrate der heimischen Jungunternehmen liegt derzeit bei 70 Prozent. Angestrebt wird nun eine Rate von 80 Prozent.

Schwachstellen in puncto Finanzierung

Schwachstellen sieht Leitl derzeit vor allem in puncto Finanzierung. Die WKÖ habe den Einstieg für Jungunternehmer zwar durch die Streichung der Eintragsgebühren für Neumitglieder etwas erleichtert. Dies habe die WKÖ rund 200 Mill. S gekostet. Probleme gebe es jedoch vor allem im Bereich der weiteren Finanzierung. Vielen Unternehmen gehe das Geld aus, noch bevor die erhofften Einnahmen einfließen.

Den größten Schwachpunkt sieht Leitl im heimischen Venture Capital-Markt. Es sei noch immer leichter, einen 300.000 S-Kredit für die Wohnungseinrichtung als für die Gründung eines neuen Unternehmens zu bekommen. Österreich müsse seinen letzten Platz in der Risikokapitalisierung loswerden, verlangt der Wirtschaftskammer-Chef.

Banken sehen Finanzierungsfrage differenzierter

Im Bankenbereich sieht man die Finanzierungsfrage differenzierter. Elisabeth Bleyleben-Koren, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Erste Bank, hält "Managementprobleme" für die "häufigsten Probleme" beim Scheitern von Jungunternehmen. Sie plädierte am Montag dafür, nicht nur zahlreichere, sondern vor allem bessere Unternehmensgründungen zu unterstützen.

Um sowohl den Know-How-Transfer als auch die Finanzierungssituation zu verbessern, startet die WKÖ nun mit einer Neuauflage eines bereits im vergangenen Jahr gestarteten "Go! Gründeroffensive". Wesentlicher Teil dabei ist ein Bussinesplan-Wettwerb, der am Donnerstag startet. Außerdem soll es vier viertägige "Gründer Akademien" geben, bei denen potenziellen Jungunternehmern für eine Teilnahmegebühr von 250 Euro (3.440 S) betriebswirtschaftliches und rechtliches Basiswissen vermittelt werden soll.

Partner bei dem Projekt sind die Telekom Austria, OMV, das Beratungsunternehmen KPMG und die Erste Bank. Das Budget der Initiative beträgt 10 Mill. S. Die tatsächlichen Kosten beziffert Leitl aber mit mehr als 100 Mill. S. Bei der ersten Runde 1999/2000 haben 7.000 Interessenten am Businessplan-Wettbewerb teilgenommen. (APA)

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