Schlag gegen einen großen Drogenring in Salzburg

12. November 2001, 15:47
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67 Dealer verhaftet, 680 Verdächtige, Netzwerk führt nach Deutschland, Holland und Ex-Jugoslawien

Salzburg - Der Salzburger Kriminalpolizei ist ein Schlag gegen einen großen Drogenring gelungen: Im bisher größten Suchtgifteinsatz des Bundeslandes wurden mittlerweile 67 Dealer verhaftet. Ermittelt wird gegen 680 Verdächtige im Pinzgau, im Raum Hallein, im Flachgau und in der Stadt Salzburg, teilte der Leiter der Kriminalabteilung des Landesgendarmeriekommandos Salzburg, Franz Lang, am Montag mit.

Drogen im Wert von 40 Millionen Schilling

Binnen eines halben Jahres haben die mutmaßlichen Dealer Ecstasy, Cannabis, Kokain, Speed, Heroin und andere Suchtmittel im Wert von 40 Millionen Schilling (2,91 Mill. Euro) verkauft. Die jüngsten Konsumenten waren zwölf Jahre alt.

Die erste Spur

Die erste Spur verfolgten die Ermittler, als im Mai dieses Jahres eine 14-Jährige aus Mittersill während des Unterrichts vom Stuhl kippte. Sie hatte Ecstasy-Tabletten genommen. Daraufhin wurden zwei mutmaßliche Dealer, die wegen Drogenkonsums ebenfalls unter gesundheitlichen Problemen litten, ausgeforscht. Am 1. September dieses Jahres klickten dann die ersten Handschellen. Bis heute wurden 67 mutmaßliche Dealer festgenommen, über 54 Personen wurde die Untersuchungshaft verhängt, teilte Lang mit. Die Nachforschungen führten die Ermittler zu insgesamt drei Drogenringen, die im Pinzgau, in Hallein und im Großraum der Stadt Salzburg angesiedelt sind. Diese Banden sind über Dealer miteinander verbunden.

Geld und Drogen sichergestellt

Die Beamten stellten Drogen im Gesamtwert von vier Millionen Schilling sowie Drogengeld im Wert von 350.000 Schilling sicher. Über mehrere Hauptdealer, die in Deutschland, Holland oder Wien tätig sind, gelangten die Drogen in den Pinzgau. Bei den Drahtziehern handle es sich nach Angaben der Ermittler um Türken oder Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Die Angelegenheit wächst sich auch auf andere Bundesländer aus. In Innsbruck, Wien und München wurden bisher mutmaßliche Suchtgifthändler verhaftet. Weitere Festnahmen stünden bevor, hieß es in Salzburg. Die Dealer waren im Alter von 17 bis 26 Jahren. In Schulen, Nachtlokalen und Discotheken wurden die Drogen an die Konsumenten, deren Großteil zwischen 15 und 18 Jahre alt war, verkauft. Bis zu 15 Tabletten täglich wurden pro Person genommen, eine Tablette kostet rund 250 Schilling. "Was erschreckt, ist die Bereitschaft, Drogen zu konsumieren. Die Nachfrage ist da", meinte Lang. Es gebe kaum eine Hemmschwelle mehr.

Ecstasy aus Holland und Deutschland

Das sichergestellte Ecstasy stammte hauptsächlich aus Holland und Deutschland. Cannabis kam aus Bosnien, Schweiz, Deutschland und Holland, Heroin aus dem Balkan nach Salzburg. Die Drogen wurden hauptsächlich mit eigens dafür präparierten Autos transportiert.

Im Pinzgau wurden 41 Verhaftungen durchgeführt, gegen 450 Verdächtige wird ermittelt. In Hallein gab es sechs Verhaftungen und rund 70 Verdächtige. Dort hatten beschäftigungslose Jugendliche, die in einer Wohngemeinschaft lebten, in nur acht Wochen Ecstasy im Gesamtwert von vier Millionen Schilling verkauft. In der Stadt Salzburg und im Flachgau wurden 20 Personen verhaftet, rund 150 Personen stehen im Verdacht, Drogen konsumiert zu haben. Die Ermittlungen werden von acht bis zehn Beamten der Kriminalabteilung sowie Spezialisten in den Bezirken geführt.

38.000 Ecstasy-Tabletten in Bayern sichergestellt

Ein Drogenkurier mit 38.000 Ecstasy-Tabletten im Gepäck ist der Polizei in Bayern ins Netz gegangen. Eine Zivilstreife hatte den Wagen des 23 Jahre alten Mannes am Samstag auf einem Parkplatz der Autobahn Heilbronn-Nürnberg bei Ansbach kontrolliert und an mehreren Stellen im Auto Plastiksäcke mit den Tabletten entdeckt, teilte die Polizei am Montag mit. Gegen den Mann sei Haftbefehl ergangen. Derzeit werde nach Hintermännern gesucht. (APA)

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