Eltern eines verhungerten Babys in Graz vor Gericht

12. November 2001, 15:44
posten

Niemand will schlechten Zustand des Kindes bemerkt haben - je fünf Monate bedingt

Graz - Ein Ehepaar aus Graz musste sich am Montag im Grazer Straflandesgericht verantworten, weil sie ihr Baby buchstäblich verhungern ließen. Das Kind starb knapp einen Monat nach der Geburt, nachdem es ein Viertel seines anfänglichen Gewichts abgenommen hatte. Eltern und Bekannte wollen von dem schlechten Zustand des Säuglings nichts bemerkt haben. "Ich habe immer gestillt", meinte die Mutter unter Tränen.

Mutter stillte regelmäßig

Die kleine Jelena wurde nicht einmal einen Monat alt. 2,80 Kilogramm wog die Kleine bei der Geburt. Das zarte Mädchen nahm zunächst leicht ab, was aber nach Angaben einer Kinderärztin normal war. Den Eltern, Heidrun (36) und Branko P. (36), fiel auch nichts auf, als das Mädchen immer leichter wurde. Sie habe das Kind regelmäßig gestillt, beteuerte die Mutter, die zuvor bereits eine Fehlgeburt erlitten hatte. Einen Monat nach der Geburt wäre der erste Termin beim Kinderarzt gewesen. Doch den erlebte Jelena nicht mehr.

Säugling wurde immer stiller

Die Eltern hatten sich ihrer Aussage nach auch nichts dabei gedacht, als die Kleine immer stiller wurde und nach drei Wochen bereits die Nacht durchschlief. "Wieso haben Sie das Kind zum Füttern denn nicht aufgeweckt", wollte Richter Helmut Krischan wissen. "Im Krankenhaus hat man mir gesagt, das Baby meldet sich, wenn es Hunger hat", rechtfertigte sich die Angeklagte.

Entlastungszeugin

"Für mich gab es keine bessere Mutter als sie", meinte eine Freundin der Beschuldigten. "Sie waren sehr stolz auf das Baby, auch, weil es beim ersten Mal nicht geklappt hatte", so der Schwager der Frau. Auch den Bekannten war nicht aufgefallen, dass von dem Kind praktisch nichts mehr da war. "Die Haut an den Oberschenkeln war ganz faltig, und beim Brustkorb sah man jeden einzelnen Knochen", schilderte ein Polizist, der bei der Obduktion des Kindes dabei war.

Je fünf Monate bedingt für die Eltern

Das Urteil von Einzelrichter Helmut Krischan fiel milde aus: Die beiden Eltern wurden zu je fünf Monaten bedingter Haft verurteilt.

Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig: Sowohl Heidrun als auch Branko P. erbaten drei Tage Bedenkzeit. (APA)

Share if you care.