Hertha Kräftner: "Er hätte gern ihr Hirn gesehn..."

13. November 2001, 08:24
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Eine Erinnerung zum 50. Todestag der österreichischen Autorin

Leseprobe aus Hertha Kräftners Gedicht "Abends":

"Er schlug nach ihr. Da wurde ihr Gesicht
sehr schmal und farblos wie erstarrter Brei.

Er hätte gern ihr Hirn gesehn. – Das Licht
blieb grell. Ein Hund lief draußen laut vorbei.

Sie dachte nicht an Schuld und Schmerz und
nicht an die Verzeihung. Sie dachte keine Klage.

Sie fühlte nur den Schlag vom nächsten Tage
voraus. Und sie begriff auch diesen nicht."

Geboren am 26. April 1928 in Wien und aufgewachsen in Mattersburg/Burgenland, studierte Hertha Kräftner Germanistik, Anglistik und Psychologie an der Universität Wien. Sie promovierte 1950 zum Thema: "Die Zielprinzipien des Surrealismus, nachgewiesen an Franz Kafka".

Ab 1948 publizierte Kräftner ihre Gedichte in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, beispielsweise in der Literaturzeitschrift "Lynkeus", in "Neue Wege" und "Publikationen und Stimme der Gegenwart". 1963 wurde eine Sammlung ihrer Gedichte, Skizzen und Tagebuchaufzeichnungen aus ihrem Nachlass veröffentlicht: "Warum hier? Warum heute?". 1949 und 1950 unternahm sie Reisen nach Paris und Skandinavien.

Hertha Kräftner starb am 13. November 1951 im Alter von nur 23 Jahren an einer Überdosis Schlaftabletten. (dabu)

Hertha Kräftner: "Warum hier? Warum heute?"
hrsg. Otto Breicha und Andreas Okopenko
Graz 1963

"Kühle Sterne. Aus dem Nachlass"
hrsg. Gerhard Altmann und Max Bläulich
Frankfurt 2001

Zum Weiterlesen
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