"Frauen müssen lernen, sich den Applaus zu organisieren"

12. November 2001, 16:46
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Ergebnisse des vierten Salzburger Journalistik-Tages

Dass sowohl Praxis als auch Analysen der Journalistik-Wissenschaft von Geschlechterverhältnissen und -strukturen geprägt sind, war am 9.11.2001 Zentrum des Interesses. Der vierte Salzburger Journalistik-Tag stand ganz unter dem Motto „die/der journalismus. Geschlechterperspektiven in den Medien“.
Der Journalistik-Tag wurde vor vier Jahren am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg als Veranstaltung konzipiert, die dem Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und medienpraktischer Erfahrungen dienen soll. Der jährlich stattfindende Workshop wurde diesmal in Kooperation mit dem Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Salzburg veranstaltet.

Mentoring und Netzwerken

Im ersten Vortragsblock befassten sich die Referentinnen mit der historischen Analyse von Journalistinnen in ihrem Berufsfeld. Elisabeth Klaus (Göttingen) arbeitete dabei anhand deutscher Journalistinnen-Biografien sowohl die innermedialen Barrieren als auch die jeweils fördernden bzw. hemmenden Faktoren zeithistorischer Kontexte heraus. Sie zeigte an ihren Beispielen u.a. die vehemente Abwehr männlicher Kollegen in den „Männerressorts“ Politik und Politikberichterstattung im Fernsehen, prangerte aber auch auf die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in der selben Position an.
Ein Umstand, den auch Astrid Zimmermann (Wien) aus diversen Betätigungsfeldern bestätigen konnte. Die „Standard“-Journalistin plädierte für Interessensgemeinschaften und Netzwerke, die parallel zu den männerbündischen Machtstrukturen bestehen und damit Frauen in Medienberufen stärken – auch in Führungspositionen. Für Österreich wies sie auf ein Defizit an Frauen in leitender Funktion in Ressorts wie Politik, Wirtschaft und Sport hin und fügte hinzu, dass Frauen nicht gelernt hätten „sich den Applaus zu organisieren“; d.h. es scheitere an Selbstpräsentationstechniken und am Bewusstsein, wie wichtig Mentoring für jüngere Kolleginnen sein kann.

Sprachgebrauch und Rollenbilder

In den Vorträgen des zweiten Panels wurde die Untersuchung bezüglich eines geschlechtergerechten Sprachgebrauchs in Medien vorgestellt, der Ist-Stand feministischer Öffentlichkeiten und die strukturellen Bedingungen, unter denen „Alternativmedien“ derzeit in Österreich arbeiten, diskutiert. In einem dritten Themenschwerpunkt analysierte Friederike Herrmann (Tübingen) die im Fernsehen vermittelten Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit bzw. die mediale Konstruktion von Geschlecht. Ingrid Paus-Haase (Salzburg) untersuchte jugendliches Fernsehverhalten bei Sendungsformaten wie Taxi Orange und zeichnete hier für Mädchen und Buben unterschiedliche Wahrnehmungsformen nach.

Die abschließende Podiumsdiskussion mit namhaften Vertreterinnen der österreichischen Medienszene brachte weitere

wichtige Ergebnisse:

  • Der Mangel an Journalistinnen in den „oberen Stockwerken“ wurde von allen Teilnehmerinnen beklagt.
  • Die „frauenfördernden“ Potenziale der neuen Medien, das Internet als „Raum der uneingeschränkten Möglichkeiten“, werden z.T. sehr kritisch als Bereich mit schnelllebigem Informationsbedarf und als „schlechter“ Ausweg für Alternativmedien, die durch Subventionspolitik und neue Posttarife keine Überlebenschance mehr hätten, bewertet.
  • Eine Verschiebung des Mythos eines „allzeit bereiten Reporters“ zugunsten einer neuen Arbeitszeit-Organisation in Redaktionen, die auch Frauen und Männern mit Kinderbetreuungspflichten Karrierechancen ermöglichen, wird als wichtiger Schritt gefordert.
    (red)

  • Die Referate und die Ergebnisse der Podiumsdiskussion werden im Frühjahr 2002 im StudienVerlag in Innsbruck als Buch erscheinen.
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