"Gott sei Dank kontrovers"

11. November 2001, 22:33
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Gerhard Schröder traf Schriftsteller und Künstler

Berlin - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder ist am Samstagabend erstmals zu einem offenen Meinungsaustausch mit Schriftstellern und Künstlern zusammengetroffen, um über die Ereignisse nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA zu sprechen.

Über den Inhalt der Gespräche wurde Vertraulichkeit vereinbart, Themen waren jedenfalls laut vorliegenden Informationen die Bekämpfung des Terrorismus, die Ereignisse in Afghanistan und die von Schily geplanten verschärften Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland.

Walter Jens sagte am Sonntag zu der "Begegnung zwischen Geist und Macht", sie sei "höflich, sachbezogen und Gott sei Dank kontrovers" gewesen. Der Autor meinte, es sei dahingestellt, ob beide Seiten durch das Gespräch schlauer geworden seien. Man habe es einander nicht leicht gemacht. "Small talk war es ganz und gar nicht. Es war ernst und von allen Seiten sehr besorgt. Auf der einen Seite sprach der Bürger Grass und auf der anderen Seite der Bürger Schröder. Ein Gespräch zwischen entschiedenen Citoyens. Beide Seiten wussten, woran sie sind."

An dem Treffen nahmen unter anderem die Autoren Günter Grass, Martin Walser, Stefan Heym und Christa Wolf, der Philosoph Peter Sloterdijk und die Regisseure Volker Schlöndorff und Jürgen Flimm teil. Auch der Präsident des deutschen PEN-Clubs, der in Deutschland lebende iranische Lyriker Said, gehörte zu den Gästen. Zudem nahm Innenminister Otto Schily an dem Gespräch teil.

Schröder knüpfte mit diesem Treffen an frühere Traditionen des Bundeskanzlers Willy Brandt an, der Anfang der 70er Jahre einen Teil der Schriftsteller und andere Intellektuelle für seine Politik gewinnen konnte und ihren Rat suchte.

Schröder hatte bereits in seiner Einladung zu dem Abendessen auf die Ereignisse vom 11. September hingewiesen, seit dem sich vieles verändert habe und Fragen aufgetaucht seien, die sich an Politiker wie an Intellektuelle richteten. In einem Interview in der Zeitung "Die Woche" hatte er den Intellektuellen bescheinigt, dass es zu ihrer öffentlichen Rolle gehöre, "gelegentlich kritische, manchmal sogar unangenehme Fragen" zu stellen. Ausdrücklich nahm er jedoch Innenminister Schily in Schutz, der "in dieser komplizierten Lage einen ausgezeichneten Job" mache und dabei seine volle Unterstützung habe. (APA/dpa)

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