Das Spiel geht weiter

11. November 2001, 19:15
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Die Lust am Börsenspiel mit Technologieaktien ist vielen Anlegern vergangen - Die Game-Industrie feiert indes ein Comeback

"Command & Conquer", "Dead or Alive 3", "Fifa 2002" oder "Max Payne" sind Spiele, bei denen die 15- bis 40-jährigen Videokonsolenspieler zur Hochform auflaufen. Ab Donnerstag, dem 15. November, könnte die Spiele-Industrie zu einem neuen Höhenflug ansetzen, was auch die Börsenfantasie der Kapitalanleger anregen könnte. Microsoft bringt mit der Xbox seine erste Spielkonsole auf einen Markt, in dem Sony mit Playstation ein Quasimonopol hat. Nintendo startet drei Tage später mit dem "Game Cube" seinen Verkauf in den USA.

Für die Aktien der Hardwarehersteller Sony, Microsoft oder Nintendo, die insgesamt eine Milliarde US-Dollar ins Marketingbudget pumpen, erwarten die Analysten keine bedeutenden Auswirkungen auf die Kurse. "Wesentlich interessanter, aber mit hohem Spekulationsrisiko ist die Anlage in Aktien der Spielehersteller", sagt Alexander Sikora, Analyst der Erste Bank. Wie bei Wachstumswerten üblich, kann der Anleger zwar nicht mit einer Dividende rechnen, weil die Gewinne sofort in die Produktentwicklung reinvestiert werden. Geld verdienen könne man aber an Kursgewinnen.

Kurse legen kräftig zu

Die börsennotierten Branchengrößen Electronic Arts, Activision, THQ, Infogrames oder Midway Games sind Aushängeschilder von rund 200 Softwarefirmen, die sich in der von Kapitalanlegern wenig beachteten Marktnische Umsätze in der Höhe von rund 20 Milliarden US-Dollar teilen und die Technologiekrise zum Jahresanfang mit Bravour überstanden. Während viele etablierte Technologiewerte massive Kursverluste verzeichneten - die Wachstumsbörse Nasdaq war um bis zu 50 Prozent abgestürzt - legten die Kurse der Game-Hersteller kräftig zu.

Die Aktien des an der Nasdaq notierten Branchenführers Electronic Arts (EA), die im Jänner noch 30 Dollar wert waren, notierten zur Jahresmitte auf dem Höchststand von 65 Dollar, nach der Terrorattacke vom 11. September notierten die Papiere zuletzt bei 55 Dollar. Activision, THQ oder Midway Games haben ihre Kurse mehr als verdoppelt oder vervierfacht. Trotz der Umrüstkosten - bei einigen Spielen wurde nach der Terrorattacke die Dramaturgie umgeschrieben oder Sujets wie das World Trade Center wurden entfernt - bleiben die Aktien der Spielehersteller ein lukratives Investment.

Wachstumssegment

Institutionelle Anleger sehen die Game-Industrie offensichtlich als Wachstumssegment. 99,15 Prozent des Aktienkapitals bei EA besitzen zurzeit institutionelle Anleger, bei den Mitbewerbern sind es bis zu 80 Prozent.

Umschichtungen sowie der Optimismus - durch die Xbox wird eine Belebung des Marktes erwartet - gelten als Ursache für die Kurszuwächse im Jahr 2001. "Trotz sinkender Konsumausgaben halten sich die Werte der Spielehersteller trotzdem recht gut", sagt Sikora. Gespart werde in erster Linie bei teuren Anschaffungen oder Reisen. Ungebrochen stark sei die Nachfrage der Konsumenten nach Produkten der Unterhaltungsindustrie wie Konsolenspiele, die im Handel zwischen 49 und 69 Euro (ab 674,25 Schilling) kosten.

Der österreichische Spielehersteller JoWood, dessen Aktien an der Wiener Börse notieren, wird für die Xbox bis Ende 2002 zwei bis drei Spiele entwickeln. Noch verhalten reagiert der Kurs der JoWood-Aktie, der nach der Terrorattacke von 14,50 auf unter elf Euro absackte und am Freitag bei 12,15 EURO notierte. (Thomas Jäkle, DER STANDARD, Printausgabe 12.11.2001)

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