"Flughafen" auf dem Krankenhausdach

11. November 2001, 20:24
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EU-Richtlinie für Landeplätze zwingt Spitalserhalter zu investieren

Wien - Ein weißer Kreis, ein großes "H" mittendrin. Dieses Symbol auf Krankenhausdächern war bisher Ziel eines jeden Hubschrauberpiloten, wenn er verunfallte Patienten rasch zur medizinischen Versorgung bringen wollte. In Zukunft wird er noch zusätzlich auf den "Lotsen", der ihn einweist und Funkkontakt hält, achten müssen.

Und damit die Landung noch sicherer wird, muss der Landeplatz künftig auch "befeuert" - sprich kräftig ausgeleuchtet - werden. Und zu guter Letzt muss der Pilot das "H" in einem bestimmten Einflugwinkel anpeilen - der besseren Sicht wegen. So sieht es eine neue EU-Richtlinie vor, die ab sofort in Österreich gilt.

Die an sich notwendigen Sicherheitsvorkehrungen kosten aber jede Menge, wenn sie, so wie in Wien, auf manchem Spitalsdach erst eingeführt werden müssen. Josef Kastl, künftiger Direktor der Teilunternehmung "Service" im Wiener Krankenanstaltenverbund rechnet daher mit hohen Kosten im nächsten Jahr: "bis zu 20 Millionen Schilling pro Landeplatz". Je nach Stand der Technik in den Spitälern.

Die EU-Norm sei "doch überraschend" gekommen, meint Kastl, denn er habe damit gerechnet, dass die bestehenden Anlagen in Wien ausreichen würden. Im "schlimmsten Fall drohen Gesamtkosten von 80 Millionen Schilling" (5,8 Mio. Euro), damit bei den Verbundspitälern vier Landeplätze entstehen können: am AKH, beim SMZ Ost, im Wilhelminenspital und bei der Rudolfstiftung. Bei letztgenannter muss jedenfalls der Landeplatz ganz neu - und eben EU-konform - errichtet werden. "Wir müssen künftig jemanden mit Funkausbildung im Spital haben", erläutert Kastl, dass ein "24-Stunden-Dienst" eingerichtet werden muss. Nach ersten Plänen sollen die Portiere in den Spitälern die nötige Ausbildung machen. Sie würden dann auch "Lotsendienste" leisten: die Piloten einweisen und ihnen Lande-oder Starterlaubnis erteilen.

Betroffen von den Nachrüstungen sind die "Außenlandeplätze", die bisher nicht als "Flughäfen" galten. Sie durften nur für Notfälle - eben auf Spitalsdächern oder bei Rettungszentralen - eingerichtet werden.

Die EU-Richtlinie muss in allen Bundesländern umgesetzt werden. Jene Landeplätze, die bereits als "zivilrechtlich bewilligte Flugplätze" gelten, sollten bereits über sämtliche Sicherheitseinrichtungen verfügen. So wie etwa jener bei der Universitätsklinik Innsbruck und des Krankenhauses Kufstein.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 11. 2001)

Von Andrea Waldbrunner
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