Ölpreis nach Tiefständen leicht erholt

16. November 2001, 16:38
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Marktbeobachter befürchten Preiskrieg zwischen Russland und der OPEC

Wien/London - Auch nach der Ankündigung der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), die Förderung per Jahresbeginn 2002 um 1,5 Mill. Barrel zu kürzen, befindet sich der Ölpreis in freiem Fall. Ein Barrel OPEC-Öl kostete laut Angaben der Nachrichtenagentur OPECNA am Donnerstag nur noch 16,19 Dollar (18,4 Euro/253,07 S). Gegenüber Mittwoch, dem Tag der OPEC-Konferenz in Wien, ist der Preis damit um fast zwei Dollar gefallen. Der Ölpreis des Kartells hat damit den Tiefsten Stand seit Juli 1999 erreicht. Am Freitagnachmittag notierte der Kurs für die Nordsee-Sorte Brent bei 17,85 Dollar pro Fass (159 Liter), nachdem er am Vortag um rund 1,50 Dollar auf 17,33 Dollar.

Das Kartell peilt eine Preisspanne von 22 bis 28 Dollar je Barrel (159 Liter) an. Die geplante Drosselung will die OPEC aber nur dann in Kraft setzen, wenn die Öl-Länder außerhalb des Kartells ihre Produktion um 500.000 Barrel einschränken. Vor allem Russland hatte das abgelehnt.

Am Freitag hat sich der Ölpreis wieder leicht erholt, dabei aber die Verluste dieser Woche von mehr als vier Dollar angesichts des Konflikts der OPEC und Russlands um Marktanteile nicht annähernd ausgeglichen. Am Freitag verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) der führenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Dezember um knapp einen halben Dollar auf 17,80 Dollar. Am Donnerstag war auch der Brent-Preis erstmals seit fast zweieinhalb Jahren bis auf 16,80 Dollar gefallen.

Preiskrieg

Zum Teil befürchten Marktbeobachter nun einen Preiskrieg zwischen Russland und der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC). Mit Blick auf die gegenwärtige Marktlage hatte der kuwaitische Ölminister Adel el Subaih gesagt, ein Rückgang des Ölpreises bis auf 10 Dollar pro Barrel würde ihn nicht überraschen. "Es werden harte Zeiten in Form von niedrigen Preisen kommen." Analysten äußerten sich skeptisch über den Erfolg der OPEC-Strategie, die unabhängigen Exporteure unter Druck zu setzen.

In einer großen Kraftprobe hätten weder Russland noch die OPEC Kompromissbereitschaft signalisiert, sagte Analyst Simon Games-Thomas von NM Rothschild & Sons. Der saudiarabische Ölminister Ali el Naimi hatte angekündigt, die OPEC werde ihre Fördermengen erst drosseln, wenn unabhängige Exporteure vorher ihre Quoten reduzierten. Besonders Russland müsse handeln. "Wir müssen allen Produzenten klar machen, dass ihr Verhalten desaströs ist und uns allen Verluste bescheren wird."

Die OPEC hat in diesem Jahr bereits drei Mal ihre Fördermengen um insgesamt 3,5 Millionen bpd reduziert. Russland hatte zuletzt angeboten, seine tägliche Fördermenge von sieben Mill. bpd um symbolische 30.000 bpd zu kürzen. El Naimi hatte den russischen Vorschlag am Mittwoch als "enttäuschend" bezeichnet. Russland ist nach Saudiarabien weltweit der zweitgrößte Ölexporteur und Deutschlands wichtigster Öllieferant. Russlands Ministerpräsident Michail Kasjanow hatte am Donnerstag gesagt: "Wir werden nicht zu irgendeinem Zeitpunkt die Fördermengen in großem Ausmaß zurückfahren. Dies ist unmöglich."

Mexiko sicherte unterdessen zu, seine Ölexporte vom 1. Jänner an um bis zu 100.000 bpd zu kürzen. Der norwegische Öl- und Energieminister Einar Steensnaes sagte: "Falls es die Situation erfordert, wird Norwegen natürlich seinen Anteil an der Verantwortung für stabile Ölpreise übernehmen." Norwegen will in der nächsten Woche entscheiden.

Händler sind etas ratlos

Für Händler ist der leichte Anstieg der internationalen Ölpreise am Freitag "nur eine kleine Erholung nach dem Fall der letzten Tage". "Niemand weiß, was zu tun ist. Man fragt sich, ob man bei diesem niedrigen Niveau kaufen soll, ohne zu wissen, ob die Nicht-OPEC-Produzenten ihre Förderung senken werden", sagte Händler Jim Chilcott vom Londoner Broker GNI. Wenn dies nicht passiere, werde auch die OPEC die Öl-Hähne nicht drosseln. "Dann laufen wir Gefahr, dass der Kurs bis auf zwölf Dollar pro Barrel runtergeht." De facto hänge nun alles von Russland ab. (APA/dpa/Reuters)

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