Schlechte Noten für die Post

11. November 2001, 18:28
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Umfrage zu Expressversand für Geschäftskunden zeigt deutliche Imageprobleme

Wien - "Die Post bringt allen was, die Frage ist nur, wann." Consulter Franz-Joseph Fraundorfer von GCI Management stellt der Österreichischen Post AG in Sachen Expressdienstleistungen ein schlechtes Zeugnis aus.

Eine von GCI durchgeführte Telefonumfrage zur Kundenzufriedenheit am heimischen Kurier-, Express- und Paketdienstleistermarkt zeigt deutlich, dass die Konkurrenten der staatlichen Post meist zwar teurer, aber dafür unschlagbar bei Termin- und Liefertreue sind. "Gerade Letztere haben beim Expressversand von Warenmustern, Dokumenten oder Geschäftsunterlagen aber Priorität", betont Fraundorfer. Dafür würden vom Kunden auch Preisaufschläge akzeptiert.

Bestes Beispiel ist für Fraundorfer das Express-Mail-Service (EMS) der gelben Post: "EMS ist zwar unschlagbar günstig, aber eine Garantie, dass der eilige Brief auch tatsächlich am nächsten Morgen am Schreibtisch des Empfängers liegt, bekommt der Kunde nicht." Die Post garantiere nur eine Zustellung bis spätestens übermorgen, DHL aber stelle binnen 24 Stunden zu. Und für Abholung und Übernahmebestätigung werden nochmals 135 Schilling verrechnet.

EMS: Weder Fisch noch Fleisch

Das Grundproblem beim kräftig beworbenen EMS: "Es ist weder Fisch noch Fleisch und wird dann genommen, wenn dem Kunden die Liefertreue wichtiger ist als die Schnelligkeit", präzisiert Fraundorfer. Bei der im Herbst von GCI durchgeführen Telefonumfrage unter hundert Unternehmen mit je einem Umsatz von mindestens 800 Millionen Schilling (58,14 Mio. EURO) zum Expressversand gaben 80 Prozent aller Befragten an, die Schnelligkeit sei ausschlaggebend für der Wahl des Dienstleisters. Nur für 62 Prozent ist es der Preis, für 60 Prozent die Liefertreue.

Das Produkt EMS der Post wird dabei grundsätzlich nicht schlechter beurteilt als die Konkurrenz. Bevorzugt verwendet wird es aber nur von jenem Fünftel der Kunden, denen es quasi egal ist, wann das Dokument beim Empfänger ankommt.

Daneben ortet Fraundorfer auch ein gravierendes Imageproblem bei der Post: "EMS wird tendenziell nicht als neue Expressdienstleistung, sondern als viel zu teuer gewordener Expressbrief wahrgenommen." Auch sei die Verwirrung über neue Produkte groß, etwa beim "Premium-Brief". Punkten kann die Post demnach im Inlandsexpressversand und bei Kleinverbrauchern. Großverbraucher (mehr als 76 Sendungen pro Monat, Anm.) lassen sich laut GCI meist gar nicht auf die Post ein, weil bei dieser die internationale Anbindung fehle. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 12.11.2001)

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