Berlusconis Mediaset will aus Mobilfunkbetreiber Blu aussteigen

11. November 2001, 18:03
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Aktienpaket soll von British Telecom übernommen werden

Die Mailänder Mediengesellschaft Mediaset unter Kontrolle des TV-Zaren und italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi will aus dem Mobilfunkgeschäft aussteigen. Medienberichten von Sonntag zufolge plant Mediaset, ihr neunprozentiges Aktienpaket an Blu zu verkaufen. Die Beteiligung soll laut einem bei der Gründung des Unternehmens im Jahr 1999 abgeschlossenen Abkommens an British Telecom verkauft werden, die mit einer 20-prozentigen Beteiligung zu den Hauptaktionären von Blu zählt.

Massenausstieg

Die meisten Hauptaktionäre von Blu, darunter auch die Autobahngesellschaft Autostrade Italiane, die eine 32-prozentige Beteiligung hält, sowie die Gruppe Benetton (9 Prozent) wollen vom Mobilfunkbetreiber aussteigen. Nach dem Fiasko bei der UMTS-Auktion vor einem Jahr - Blu hatte es nicht geschafft, eine der fünf italienischen UMTS-Lizenzen zu ersteigern - haben die Hauptaktionäre das Interesse an der Italien-Tochter ganz verloren.

British Telecom macht sich auch aus dem Staub

Auch British Telecom, die laut dem Abkommen die Anteile der Mediaset übernehmen muss, will sich Indiskretionen zufolge von Blu trennen. Der britische Konzern will sich angeblich auf die Auslandsbeteiligungen konzentrieren, an denen sie die absolute Stimmenmehrheit hält, darunter die deutsche Viag Interkom, die niederländische Telfort und die irische Digifon. Der 20-prozentige Anteil an Blu besetzt Mediengerüchten zufolge Platz eins auf der Liste der Beteiligungen, die die Briten los werden wollen.

Insider schätzen den Wert des italienischen Mobilfunkbetreibers auf 3,1 Milliarden Euro (42,6 Milliarden Schilling). Blu ist Italiens viertstärkster Mobilfunkbetreiber nach der Telecom-Italia-Tochter TIM, Omnitel und Wind. In dieser Phase wirtschaftlicher Unsicherheiten wird die Suche nach einem Interessenten für Blu schwierig.

Übernahmegerüchte

Gerüchten zufolge könnte das Unternehmen vom Konsortium Ipse übernommen werden, an dem die spanische Telefonica, die finnische Sonera sowie der Autokonzern Fiat und die Banca di Roma beteiligt sind. Ispe hat bereits eine UMTS-Lizenz in Italien erobert. Als weitere Interessenten werden die Telekom-Gruppe Wind sowie ein Konsortium H3G, an dem unter anderem der chinesische Riese Hutchison Wampoa beteiligt, genannt.

Manche habens eilig

Auch Benetton hat es eilig, sich von Blu zu trennen. Die Bekleidungsgruppe, die im Juli mit dem Mailänder Reifenhersteller Pirelli die Telekom-Gruppe Olivetti und deren Tochter Telecom Italia übernommen hat, muss sich von Blu verabschieden, um Brüssels Wettbewerbsbedenken auszuräumen und damit eine eingehende Untersuchung zu vermeiden. Auch für Benetton wird sich die Suche nach einem Interessenten für sein Aktienpaket an Blu als mühsam erweisen. (APA)

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