Fangen und festhalten, aber nicht verletzen!

11. November 2001, 17:49
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Tipps zur schonenden Rettung von Vögeln

Die Ringeltaube wurde "gerettet": Nach einem Greifvogelangriff war sie in einen Teich gestürzt. Ein mitleidiger Anrainer eilte zum Ruderboot und konnte den Vogel vor dem Ertrinken bewahren.

Das große, kräftige Tier war unverletzt, aber nicht lange. Nach einigen Tagen Zwangsfütterung waren aus den Gefiederschäden bei der "Handhabung" des Tieres Verwundungen geworden. Bei jedem "Zugriff" des gutmeinenden Retters gab's eine neue "Schockmauser", der extreme Federverlust machte dem Retter Sorgen, die Tierärztin meinte "Milben" - jetzt wurde der ohnehin völlig verängstigte Wildvogel auch noch eingesprüht.

Mittlerweile waren durch die kräftigen Retterhände die Flügel arg malträtiert. Der Vogel meinte, um sein Leben kämpfen zu müssen, seine Schwungfedern brachen ab, die Federanlagen wurden regelrecht ausgehebelt. Am Ende waren die dünnen Flügelärmchen nur noch blutige Stummel. Der Retter wusste sich keinen Rat mehr, endlich kam der Vogel in kundige Hände. Früher wäre besser gewesen und hätte dem Tier Flugfähigkeit und Freiheit erhalten.

Tuch oder Decke

Grundsätzlich sollten Vögel - aber auch andere kleinere Wildtiere wie etwa Igel oder auch handscheue Kätzchen etc. - mit einem (Hand-)Tuch oder einer dünnen Decke gefangen werden. Ist, etwa bei einem Spaziergang, gerade nichts dergleichen zur Hand tut's auch die Jacke oder ein Pullover.

Das Tuch wird locker über das Tier geworfen, es wird sich physiologisch richtig darunter hinlegen bzw. -kauern. Dann das Tuch vorsichtig so von allen Seiten unter das Tier schieben, dass der Körper in "richtiger Haltung" nicht zu fest , aber sicher umschlossen ist. Auch der Kopf sollte bedeckt bleiben, wenn auch so locker, dass die Atmung nicht behindert ist. Ist dem Tier die Sicht genommen, wird es sich in der Regel ruhig verhalten.

Diese Methode schützt nicht nur das Tier vor Ver- letzungen durchs feste Zupacken, sondern auch den "Retter" vor Bissen oder vor Schnabel- und Krallenangriffen. Auch wenn das Tier für eine Handfütterung ruhiggestellt werden muss, ist dieses "Einwickeln" für alle Beteiligten am schonendsten. Nach dem Fang muss natürlich jedes Tier sofort einem kundigen Veterinär vorgestellt werden - schon ein, zwei Tage unsachgemäße Pflege können die "Rettung" zunichte machen. (DER STANDARD-ALBUM, Print-Ausgabe, 10./11. 11. 2001)

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