WWF-Vertreterin Milborn vermisst "Leitplanken für die Wirtschaft"

11. November 2001, 15:03
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"So wie die Wirtschaft derzeit läuft, schadet sie den Menschen und der Umwelt"

Doha - Für den WWF wäre ein Scheitern der WTO-Ministerkonferenz ein Erfolg und ein Misserfolg zugleich. "Ein Erfolg, weil es zu keiner neuen Liberalisierung kommen würde, ein Misserfolg, weil es damit auch keine Fortschritte beim Thema Umwelt gibt", sagte die WWF-Mitarbeitern und NGO-Vertreterin in der österreichischen Delegation, Corinna Milborn, Dem WWF und vielen anderen Umweltorganisation ist vor allem ein mögliches Abkommen zu Investitionen ein Dorn im Auge. Andere Gruppierungen lehnen eine weitere Liberalisierung in jedem Fall ab.

"So wie die Wirtschaft derzeit läuft, schadet sie den Menschen und der Umwelt", so Milborn. Es fehlten die entsprechenden Leitplanken für die Wirtschaft. Die Entwicklungsländer wären in ihren Fähigkeiten zu Regulieren überfordert, ist sie überzeugt.

Das Investitionsabkommen soll mehr Rechtssicherheit für ausländische Investoren schaffen. Experten rechnen aber damit, dass dieses Thema ebenso wie der Komplex Handel und Wettbewerb erst beim nächsten WTO-Ministerkonferenz in zwei Jahren wirklich aktuelle werden könnten.

Kritik übt Milborn auch am Ansatz der EU in den WTO-Verhandlungen zum Thema Umwelt. "Unser Ziel ist, dass die WTO die multilateralen Umweltabkommen anerkennt, aber keinesfalls, dass sie ein Parallelsystem mit eigenen Standards schafft", so die Umweltaktivistin. Umgekehrt sei das derzeitige Primat der WTO über allen anderen internationalen Rechten "absolut inakzeptabel". "Von zehn WTO-Verfahren in Umweltfragen, sind neun gegen die Umwelt ausgegangen", kritisiert Milborn. (APA)

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