Serbische Spezialeinheit meutert

11. November 2001, 19:21
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Autobahnblockade gegen Auslieferungen

Eine Sondereinheit schwer bewaffneter serbischer Polizisten in Tarnuniformen blockierte am Samstag mit gepanzerten Geländewagen in der Vojvodina die Autobahn, die von Novi Sad nach Budapest führt. Die als "rote Baskenmützen" bekannte Eliteeinheit protestierte gegen die Auslieferung jugoslawischer Staatsbürger an das Haager Tribunal für Kriegsverbrechen und forderte den Rücktritt des serbischen Innenministers Dusan Mihajlovic. Die Straßenblockade dauerte zwei Stunden, danach zogen sich die Polizisten in ihren Stützpunkt zurück.

"Die Mitglieder dieser Einheiten werden nicht die wie Tiere verfolgten Serben jagen", erklärte Samstagabend ein Polizist, der sich als Major Batic vorstellte. Die jugoslawische Regierung hätte immer noch kein Gesetz verfasst, das die Zusammenarbeit mit dem Tribunal definiere, und so würde seine Einheit einen jeden Befehl in dieser Richtung verweigern. Die "roten Baskenmützen" sind die bestausgebildete und bestausgerüstete Spezialeinheit der serbischen Polizei. Sie wurde durch ihre Einsätze im Krieg in Kroatien und Bosnien sowie im Kosovo berühmt und galt als die Leibgarde von Slobodan Milosevic.

Während des Volksaufstandes vor einem Jahr hielt sich die berüchtigte Einheit allerdings zurück, wodurch ein Blutvergießen vermieden worden ist. Es hieß später, der heutige Premier Zoran Djindjic hätte mit ihrem Chef Milorad Ulamek die Vereinbarung getroffen, die "roten Baskenmützen" als Entgelt nach dem Machtwechsel nicht anzurühren. Amerika verlangt jedoch als Bedingung für die wirtschaftliche Unterstützung Serbiens die uneingeschränkte Zusammenarbeit Belgrads mit dem Haager Tribunal, was die Auslieferung vieler Offiziere bedeuten würde.

Innenminister Mihajlovic zeigte sich vorerst unbeeindruckt und richtete den "Baskenmützen" aus, sich "von der Politik fern zu halten". Trotz des kühlen Auftritts des Polizeichefs stellt sich in Serbien die Frage, welche Kräfte im Ernstfall diese meuternde, kriegserfahrene Spezialeinheit überhaupt bezwingen könnten. Zumal sich an der Armeespitze immer noch die gleichen Generäle befinden, die noch Milosevic eingesetzt hatte. Die serbische Regierung hat sich noch nicht geäußert. (DER STANDARD, Print, 12.11.2001)

STANDARD-Korrespondent Andrej Ivanji aus Belgrad
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