1.000 Tote nach Unwetter in Algerien befürchtet

13. November 2001, 15:18
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Dreitägige Staatstrauer - erst 579 Leichen geborgen - Wut auf Regierung

Algier/Paris - Nach den schweren Unwettern werden in Algerien bis zu 1.000 Tote befürchtet. Bisher haben Rettungsdienste und Helfer 579 Leichen aus den Wasser- und Schlamm-Massen geborgen. Die Bergungsarbeiten sind aber noch längst nicht abgeschlossen, nach Vermutungen der algerischen Presse vom Dienstag könnten bis zu 1.000 Menschen umgekommen sein.

25.000 Obdachlose

Mindestens 25.000 Menschen wurden nach inoffiziellen Schätzungen durch die schwersten Unwetter seit Jahrzehnten obdachlos, hauptsächlich in der Hauptstadt Algier. Nach Wettervorhersagen sind in den nächsten Tagen weitere Regenfälle zu befürchten. Seit Dienstag gilt eine dreitägige Staatstrauer, die die Regierung von Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika angeordnet hat.

Wütende Bewohner des Armenviertels

Die Bewohner besonders stark betroffener Armen-Viertel Algiers demonstrierten wütend und warfen der Regierung Inkompetenz und Versagen bei den Rettungsarbeiten vor. "Bouteflika - Mörder" riefen Jugendliche dem Präsidenten zu, als er am Montag die betroffenen Stadtgebiete besuchte. "Wir haben alles verloren. Die Regierung hat uns Hilfe zugesagt, doch sie hat noch nie gehalten, was sie versprochen hat", sagte eine Frau, die sich mit ihrer Familie mit einem Ruderboot vor den Fluten in Sicherheit bringen konnte.

Betonierung von Abwasser-Kanälen als Verschlimmerungsgrund

In der Presse wurde kritisiert, dass die Situation durch die Betonierung von Abwasser-Kanälen dramatisch verschlimmert worden sei. Die Regierung hatte 1997 Kanäle zugemauert, weil islamistische Terroristen diese als Verstecke nutzten.

Die meisten der Opfer waren am Freitag und Samstag durch sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen in der Hauptstadt fortgerissen worden und ertranken in den schlammigen Fluten.

Staatstrauer

Seit Dienstag gilt in Algerien eine dreitägige Staatstrauer. Das ordnete die Regierung von Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika Rundfunkberichten zufolge an. Die Rettungsdienste und Helfer haben vorerst 579 Leichen aus den Wasser- und Schlamm-Massen geborgen. Diese Bilanz sei noch vorläufig. (APA/dpa)

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