Auftakt zum letzten Akt in der Causa Freistadt

11. November 2001, 20:40
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Arzt wegen "fahrlässiger Tötung" vor Gericht

Linz - Diesen Montag beginnt in Linz der voraussichtlich letzte Akt in der Affäre um angebliche Kunstfehler am Landeskrankenhaus (LKH) Freistadt. Dem derzeit suspendierten Oberarzt Harald F. wird in zwei Fällen "fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Umständen" vorgeworfen. Er soll schuld am Tod zweier Patienten sein, weil er nicht kunstgerecht operiert habe, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Die Verteidigung sieht das anders, die Bewertung der Fachgutachten wird daher die entscheidende Rolle spielen.

Richter Benedikt Weixelbaumer wagt noch keine Prognose über die Verhandlungsdauer: "Wir fangen einmal an, dann wird man schon sehen, ob weitere Expertisen notwendig sind oder nicht." Verteidiger Kurt Lichtl kann sich ein Urteil bereits am Montag durchaus vorstellen: "Wir haben keine eigenen Gutachter beauftragt, sollte es keine Überraschungen geben, wird der Prozess rasch abgeschlossen werden."

Mehrere Meinungen

Lichtls Strategie zielt darauf ab, anhand der bereits vorhandenen unterschiedlichen Gutachten nachzuweisen, dass es unterschiedliche Fachmeinungen über Operationsmethoden gibt, seinem Mandanten aber kein Kunstfehler unterlaufen ist. Der Ankläger wird dagegen zu beweisen versuchen, dass der Oberarzt schwere Fehler bei zwei Operationen begangen hat.

Aufgeflogen war die Causa Freistadt im Jahr 1999, nachdem der damalige Gesundheitslandesrat Josef Ackerl (SP) von den Vorkommnissen erfahren hatte und eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelte. Spitalslandesrat Walter Aichinger (VP) hatte kurz zuvor veranlasst, die Vorwürfe, die im Wesentlichen vom damaligen Primar in Freistadt erhoben wurden, intern prüfen zu lassen und gegebenenfalls anzuzeigen. (moe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 11. 2001)

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