Eroberte Gebiete: Warnungen vor Racheakten

10. November 2001, 22:23
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Nordallianz verkündet Öffnung von Schulen und Medien

Kabul - Nach der Eroberung Mazar-i-Sharifs durch Truppen der Nordallianz haben die Nachbarländer Afghanistans vor eventuellen Racheakten an Helfern der Taliban in der Bevölkerung gewarnt. In einer vom UNO-Sonderbeauftragten für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, am Samstag in New York vorgetragenen Erklärung forderte die "6 plus 2"-Gruppe alle Seiten auf, "die Grundsätze und Erfordernisse internationaler und humanitärer Menschenrechte vollständig zu beachten". Dass die Stadt den Berichten zufolge ohne Kampf und mit "allgemeiner Amnestie" erobert wurde, begrüßten die Staaten in der Erklärung. Die "6 plus 2"-Gruppe forderte, internationalen Helfern müsse nun so schnell wie möglich der Zugang zur Stadt erlaubt werden, so dass sie humanitäre Hilfe leisten könnten. Mitglieder der Gruppe sind neben dem Iran, Pakistan, China, Tadschikistan, Turkmenien und Usbekistan auch die USA und Russland.

In der Bevölkerung Kabuls sind die aus mehreren ethnischen Gruppen bestehenden Verbände der Nordallianz wegen der Bürgerkriegskämpfe in der ersten Hälfte der 90er Jahren verhasst, bei denen sich die nunmehr verbündeten Gruppen noch untereinander bekriegt hatten. Bei den Kämpfen waren mehr als 50.000 Einwohner der Hauptstadt getötet und Kabul zum Großteil zerstört worden, bevor die radikal-islamischen Taliban die Stadt im September 1996 eroberten und die Macht an sich rissen.

Ein Sprecher der Nordallianz teilte unterdessen in Islamabad die Absicht mit, UNO- und Nicht-Regierungsorganisationen die Rückkehr in die von der Opposition eroberten Gebiete zu gestatten. "Die Vereinten Nationen werden ihre frühere Tätigkeit wieder aufnehmen können", sagte der Sprecher. Die UNO-Hilfsorganisationen hatten nach den Terroranschlägen in den USA ihr internationales Personal aus Afghanistan abgezogen. Die Nordallianz hat in den eroberten Gebieten das von den Taliban verhängte Verbot der Bildung für Frauen aufgehoben. "Nun können Frauen ihre Ausbildung fortsetzen", sagte der Usbeken-General Abdul Rashid Dostum am Samstag dem Sender BBC. Schulen sollten für Männer und Frauen geöffnet werden. Zudem sollten Fernseh- und Hörfunksendungen wieder aufgenommen werden. Die Taliban haben in den von ihnen kontrollierten Gebieten Frauen den Zugang zur Schule und zu höheren Bildungseinrichtungen sowie Fernsehen und Musik im Hörfunk verboten. Sie begründen dies mit einer ihr eigenen Auslegung des Islam. (APA/Reuters)

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