Hunderttausende demonstrieren in Rom für und gegen Militärangriffe

10. November 2001, 18:26
4 Postings

Globalisierungsgegner rufen Soldaten zur Desertion auf - Mitte-Rechts-Koalition demonstriert für Solidarität mit USA

Rom - Rund 100.000 Globalisierungsgegner haben sich nach Angaben der Organisatoren am Samstagnachmittag an verschiedenen Demonstrationen für den Frieden in Rom beteiligt. Gleichzeitig fand in Rom auch eine von Anhängern der Mitte-Rechts-Koalition veranstaltete Solidaritätskundgebung mit den USA teil. Die Hauptstadt wurde von Demonstranten aus ganz Italien belagert. Um gewalttätige Ausschreitungen und Attentate zu verhindern, wurden scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Der Flugraum über Rom ist noch bis 24.00 Uhr gesperrt.

Die Globalisierungskritiker aus ganz Italien versammelten sich auf der Piazza della Repubblica im Zentrum Roms und zogen durch die Innenstadt. Die Demonstranten, darunter mehrere Spitzenvertreter der oppositionellen Mitte-Links-Allianz "Ulivo" (Ölbaum), protestierten gegen die US-Mission "Enduring Freedom" und den Beschluss des italienischen Parlaments, 2.700 Soldaten nach Afghanistan zu entsenden.

Der Sprecher der Globalisierungsgegner, Luca Casarini, rief die italienischen Soldaten, die nach Afghanistan geschickt werden, zur Desertion auf. "Wir fordern die italienischen Soldaten, die bald in den Krieg gehen, auf, ihren Beruf zu wechseln, oder zu desertieren. Sie werden unsere volle Solidarität haben", sagte Casarini. "Wir vertreten jenen Teil Italiens, der gegen den Krieg ist. Krieg ist eine Form von Terrorismus, die Zivilisten tötet und ihre eigentlichen Ziele nicht offen bekundet", fügte Casarini hinzu.

"Bürgerlicher Ungehorsam"

Kritik gab es auch für die oppositionelle Mitte-Links-Allianz, die am Mittwoch im Parlament für die Entsendung der Soldaten gestimmt hatte. Die Demonstranten, die sich friedlich verhielten, riefen: "Bürgerlicher Ungehorsam". Hunderte von Polizisten bewachten die Demonstration.

Zur selben Zeit demonstrierten in Rom auch Anhänger der Regierungskoalition "Haus der Freiheiten", die zu einer Solidaritätskundgebung mit den USA aufgerufen hatte. Über 50.000 Demonstranten versammelten sich auf der Piazza del Popolo. Die Regierungskoalition hatte zur Demonstration in Rom als Antwort auf den Friedensmarsch von Assisi im vergangenen Monat aufgerufen, an der mehrheitlich Vertreter der Linken teilgenommen hatten. "Unsere Kundgebung ist keine Parteidemonstration, wie unsere Kritiker behaupten. Wir vertreten das Italien, das unsere Soldaten unterstützt", sagte der italienische Europa-Minister Rocco Buttiglione, der die Demonstration anführte.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, wollte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am späteren Nachmittag eine Rede bei der Solidaritätskundgebung halten. Als Gäste seien auch der italienische Sänger Andrea Bocelli, der französische Filmstar Alain Delon sowie Angehörige der New Yorker Feuerwehr geladen gewesen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.