Howard gewann mit harter Haltung in der Flüchtlingsfrage

10. November 2001, 15:03
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Premier gilt als "Stehaufmännchen"

Sydney - John Winston Howard gilt als das Stehaufmännchen der australischen Politik. Seit einem Vierteljahrhundert im Parlament, hat der 62 Jahre alte Jurist mehr Niederlagen überlebt, als die meisten anderen Politiker. Zwar gilt er vielen Australiern weder als besonders liebenswert noch überzeugend; vor drei Monaten noch wurde er sogar als klarer Verlierer der Wahl gesehen.

Doch traf Howard mit seiner harten Haltung in der Flüchtlingspolitik die Volksstimmung und riss das Ruder zu seinen Gunsten noch herum. Auslöser war das Drama um die 460 aus Seenot geretteten Bootsflüchtlinge, die tagelang auf dem norwegischen Containerfrachter "Tampa" vor den australischen Weihnachtsinseln festsaßen und denen Howard die Einreise strikt verweigerte.

Die Politik war dem Sohn eines Tankstellenbesitzers aus Sydney schon in die Wiege gelegt worden, als er am 26. Juli 1939 in der Hafenmetropole zur Welt kam. Seinen zweiten Vornamen verdankt er dem britischen Premierminister Winston Churchill. Seit seinem 15. Lebensjahr ist Howard Mitglied der Liberalen Partei.

1987 gescheitert

1987 scheiterte der Anwalt bei seinem ersten Versuch, Regierungschef zu werden. Bittere innerparteiliche Kämpfe mit seinem Kontrahenten Andrew Peacock schienen bereits das Ende seiner Karriere zu bedeuten. Seine Partei griff erst acht Jahre später wieder auf ihn zurück, nachdem sich eine ganze Mannschaft von unerfahrenen Liberalen als Oppositionsführer blamiert hatte. Was dann folgte, waren zwei Siege nacheinander, zu denen sich am Samstag ein dritter Triumph an der Wahlurne gesellte.

Dennoch schwingt selbst bei Parteifreunden immer ein Unterton von Ungnade mit, wenn es um den Politiker Howard geht. So urteilte der frühere Chef der Liberalen Partei, John Hewson, Howard habe trotz seines Mangels an echter Leidenschaft für Politik "Vorurteile erfolgreich zu seinem persönlichen politischen Vorteil genutzt".

Der Vater von drei Kindern selbst sieht seine beste Zeit als Regierungschef noch kommen. Ihm gefalle die Theorie, dass erst die späten Jahre in einem politischen Spitzenamt die besten seien, sagte er kürzlich. (APA/dpa)

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