"Tag der offenen Moschee" in der Praterstraße

10. November 2001, 14:09
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"Aber gepredigt wird auf Arabisch"

Wien - Der Klischeevorstellung einer Moschee entspricht die islamische Kulturvereinigung im zweiten Wiener Gemeindebezirk nicht. Lediglich eine mit roten Teppichen ausgelegte Ecke des großen schlichten Raumes sowie eine Kanzel für die Predigt erinnert an ein islamisches Gebetshaus. - Eben eine "typische Wiener Moschee", in der die Islamische Liga der Kultur am Samstag zu einem "Tag der offenen Moschee" bat.

Man versuche wenigstens einmal pro Jahr derartige Treffen zu veranstalten, betonte Aiman Morad von der Islamischen Liga der Kultur. Schließlich diene die Moschee in Europa neben ihren sonstigen Funktionen auch der Begegnung der Religionen. Eine Begegnung, die sich in so manchem islamischen Land "einfacher" gestalte als in Europa, wie Morad meinte. Schließlich habe beispielsweise Syrien eine jahrhundertealte Tradition der Koexistenz von Christentum und Islam.

Politische Frage

Warum diese Koexistenz dann im benachbarten Libanon nicht funktioniere, sei eben eine politische Frage, betonte Morad. - Und an Politik waren die Besucher am "Tag der offenen Moschee" wenig interessiert. Das Publikum, vorwiegend ältere Semester aus der Nachbarschaft, quittierte allzu häufige Ausflüge ins Politische etwa im Zusammenhang mit Afghanistan regelmäßig mit missbilligenden Zwischenrufen und verlangte "doch über die Religion zu reden".

Auf mehr Begeisterung stieß da schon das Thema "Frauen im Islam". Wobei sich der Widerspruch gegen die Geschlechtertrennung in der Moschee noch in Grenzen hielt. Schließlich konnten sich wohl die Meisten noch an die Zeiten erinnern, in denen auch in katholischen Kirchen die Männer rechts und die Frauen links sitzen mussten. Der islamischen Bekleidungsvorschrift konnte dagegen kaum jemand etwas abgewinnen. Auch wenn betont wurde, dass lediglich das Kopftuch vorgeschrieben, die Verschleierung des Gesichts aber eine "Streitfrage" sei.

Mit teils ungläubigem Erstaunen registriert wurde, dass es im Islam weder ein Aufnahmeritual wie die Taufe, noch eine formelle "Religionsmitgliedschaft", noch ein Priesteramt gibt. Ob man dennoch einmal beim Freitagsgebet vorbeikommen könne? "Natürlich, aber es wird leider auf Arabisch gepredigt." Auch in einer typischen Wiener Moschee. (APA)

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