Katholische Kirche hinkt gesellschaftlichen Entwicklungen nach

12. November 2001, 13:08
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Gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und für Schutzalter- Anhebung bei heterosexuellen Kontakten

Wien - Die katholischen Bischöfe haben bei ihrer Vollversammlung diese Woche die Ablehnung einer kirchlichen Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften betont. Das hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Schönborn, am Freitag berichtet. Außerdem sind die Bischöfe für die Beibehaltung des "Homosexuellenparagrafen" 209 in der bestehenden Form.

Differenzen mit der Katholischen Männerbewegung (KMB), die sich für derartige Segnungen ausgesprochen hat, sollten intern geklärt werden. Klar sei jedenfalls, dass sich kirchliche Organisationen "klar und unmissverständlich zur katholischen Glaubens- und Sittenlehre bekennen" müssten. Gleichzeitig heißt es aber, dass die "Seelsorge für Menschen mit gleichgeschlechtlicher Neigung" den Bischöfen ein "wichtiges Anliegen" sei.

Anhebung für heterosexuelle Kontakte

In ihrer Herbstsession haben sich die Bischöfe auch gegen eine Änderung des "Homosexuellenparagrafen" 209 ausgesprochen, der das "Schutzalter" für homosexuelle Kontakte festgelegt wird. "Selbstverständlich" - so Schönborn - werde jede Diskriminierung Homosexueller abgelehnt. Beim Paragrafen 209 gehe es aber um den "Schutz von Jugendlichen". Sehr wohl eine Änderung beim Schutzalter wollen die Bischöfe aber für heterosexuelle Kontakte. Hier wäre eine Anhebung auf 16 Jahre "angebracht".

In den Unterlagen der Bischofskonferenz wird auch eine zweites Argument gegen Änderungen beim Paragrafen 209 angeführt: "Sehr wahrscheinlich wird die Forderung nach De-facto-Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit Ehe nicht lange auf sich warten lassen. Dem nachzugeben wäre ein weiteres Zeichen einer unkritischen Übernahme negativer Trends der EU." Tolar sieht starke Widersprüche

"Durchaus erfreulich, auch wenn in sich stark widersprüchlich" ist für den Vorsitzenden der SoHo (Initiative Sozialismus und Homosexualität), Günter Tolar, die Erklärung der Bischofskonferenz vom Freitag. Positiv beurteilte er, dass Kardinal Christoph Schönborn "selbstverständlich" jede Diskriminierung Homosexueller ablehnte. Das sei prinzipiell, gemessen an früheren Positionen der Kirche wie z.B. 1971 bei der Abschaffung des Totalverbotes "ein klarer Fortschritt".

Tolar kritisierte am Samstag aber gleichzeitig, "dass die katholischen Bischöfe den Sinn des Wortes Diskriminierung offensichtlich noch nicht wirklich verstanden haben". Sonst würden sie wissen, dass Strafrechtsparagraph 209 sehr wohl eine Diskriminierung Homosexueller darstelle, denn der strafrechtliche Jugendschutz sei in anderen Paragrafen geregelt.

Niederlande

Bei einer Umfrage der niederländischen Juristen-Zeitschrift zeigten sich rund zwei Drittel der RichterInnen für die "Eheschließung" von Lesben und Schwulen. (APA)

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