Schweiz: UMTS nicht vor 2003 für den Massenmarkt

10. November 2001, 10:46
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Der Aufbau des Netzes verzögert sich - Passende Geräte und neue Dienste stehen noch nicht bereit

Das Warten auf die dritte Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) hält an. Die Swisscom, die in Österreich am Festnetz- und Internetanbieter UTA beteiligt ist, rechnet mit einem großflächigen kommerziellen Start frühestens im Jahr 2003. Der Aufbau des Netzes verzögert sich. Passende Geräte und neue Dienste stehen noch nicht bereit.

Ende 2002: Abdeckung von 20 Prozent

"Bis Ende 2002 wird Swisscom voraussichtlich eine UMTS-Infrastruktur aufgebaut haben, die eine Abdeckung von 20 Prozent gewährleistet", sagte Firmensprecherin Pia Rogers am Freitag auf Anfrage. Damit erfüllt sie die Auflage vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) an alle vier UMTS-Lizenznehmer in der Schweiz.

Der Aufbau neuer Antennen gestalte sich langwierig, erklärte Rogers. Die entsprechenden Baubewilligungen seien etwa wegen der Bestimmungen der NIS-Verordnung (Nicht-isionierende Strahlen) vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) an strenge Vorschriften geknüpft.

Konkurrentin Orange hält eine umfassende kommerzielle Einführung von UMTS im Jahr 2003 für realistisch, wie Firmensprecherin Therese Wenger sagte. Voraussetzung sei, dass bis dahin genügend qualitativ gute Endgeräte und Inhalte vorhanden seien. Denkbar sei überdies auch eine schrittweiser Markteintritt, etwa in ausgewählten Regionen.

UMTS wird große Nachfrage wecken

Ins gleiche Horn stößt Sunrise. "Wir rechnen nach wie vor mit einem UMTS-Start bis Ende 2002", erklärte Sunrise-Kommunikationsleiterin Monika Walser. "UMTS werde sich zwar nicht so schnell durchsetzen wie erwartet, aber sicher eine große Nachfrage wecken", schätzt Walser. Auch 2003 werde noch kein Hype um UMTS ausbrechen, vermutet sie. Die Umstellung auf die neue Technologie werde eine gewisse Zeit beanspruchen.

Vom spanischen Mobilfunkanbieter Telefonica war auf Anfrage kein Fahrplan für die UMTS-Einführung in der Schweiz zu erhalten. Das Unternehmen arbeite zur Zeit eine entsprechende Strategie aus, sagte ein Telefonica-Sprecher.

Falsche Vorstellungen über UMTS

Der einstige Hoffnungsträger UMTS steht nach Einschätzung von Experten einer ungewissen Zukunft gegenüber. "Wie sich mit der dritten Mobilfunkgeneration große Umsätze generieren lassen, ist unklar", erklärt IT-Experte David Rosenthal. Noch würden falsche Vorstellungen über UMTS und was es den Nutzern bringen soll, vorherrschen. Um die hohen Investitionskosten zu decken, müssen die UMTS-Anbieter Anwendungen entwickeln, die ein breites Publikum ansprechen, sagte Rosenthal weiter.

Die UMTS-Lizenzen waren in der Schweiz in einem Auktionsverfahren im Dezember 2000 vom Bund zugeteilt worden. Statt der erwarteten Milliarden spülten sie nur 205 Mill. Franken (139,7 Mill. Euro/1,92 Mrd. S) in die Bundeskasse. Lediglich Orange erhöhte den Mindestpreis von 50 Mill. Franken auf 55 Mill. Franken. Swisscom, Sunrise und Telefonica erhielten die begehrten Mobilfunklizenzen zum festgesetzten Minimalpreis. (apa)

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