Rumänien: Verärgerung um lernende Frauen

9. November 2001, 21:35
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"Wer soll da noch kochen und putzen?"

Bukarest - Eine Gruppe von Roma-Frauen in der ostrumänischen Stadt Galati hat den Häuptling ihrer Sippe verärgert. Der Grund ist kaum zu glauben: Sie wollen lesen und schreiben lernen. Wie die rumänische Tageszeitung "National" am Freitag berichtete, sagte der Häuptling Istrate Stanescu, er habe den Frauen den Besuch eines Alphabetisierungskurses mehrfach verboten. Doch diese kümmerten sich nicht darum.

"Ich weiß nicht, was ich noch machen soll. Ich muss ihnen eben verbieten, das Haus zu verlassen", sagte der Bulibascha, wie der Titel des Häuptlings lautet. Er habe schon mit ihren Männern gesprochen. Sie fänden auch, dass er Recht habe.

Bei manchen traditionell lebenden Roma-Stämmen gilt der Schulbesuch von Mädchen als sittenwidrig. Die 40 Rebellinnen aus Galati begründeten ihren Schritt damit, dass sie endlich einen Führerschein machen und die Untertitel der sehr beliebten lateinamerikanischen Fernsehserien lesen können wollen. "Ich bin darüber sehr traurig", sagte der Bulibascha. "Das fehlt gerade noch, dass sie vier Stunden ihrer Zeit in der Schule verlieren. Unsere Häuser bleiben ja leer. Wer soll da noch kochen und putzen?" (APA/dpa)

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