Lust auf Astronautennahrung?

11. November 2001, 21:21
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Ob hitzestabilisiertes Joghurt oder dehydrierte Minestrone - ab jetzt kann man's im Web ordern

Houston - Seit US-Raumfahrtpionier John Glenn vor 39 Jahren sein fades Apfelmus aus der Tube gedrückt hat, ist in Sachen Astronautennahrung eine halbe Ewigkeit vergangen. Heute werden auf der Internationalen Raumstation (ISS) Rindereintopf, Minestrone oder Faschiertes serviert. Und auch wenn das jeweilige Gericht nicht immer so aussieht: Es ist wirklich drin, was draufsteht.

"Es ist nicht so ähnlich wie Huhn, es ist Huhn", sagt Dayna Steele Justiz, die die Astronautennahrung auf ihrer Website all jenen zum Kauf anbietet, die für solch kulinarische Experimente nicht ins All fliegen wollen. Ihr Mann Charlie ist Testpilot der NASA, und Justiz erwirbt die Überschüsse der Lebensmittel, die für Astronauten an Bord von Raumfähren oder der ISS produziert wurden.

Wasserzugabe

Der Großteil des Essens ist dehydriert und muss vor dem Verzehr mit Wasser versetzt werden - es sei denn, man bevorzugt Trockennahrung. Allerdings geht NASA-Vertragspartner Johnson Engineering nach und nach dazu über, fertig gekochte Vorspeisen, Beilagen und Desserts anzubieten, so dass der Geschmackssinn der Astronauten während der manchmal monatelangen Aufenthalte im All nicht allzu sehr vernachlässigt wird.

"Das schmeckt eigentlich ziemlich gut", lobt Susan Helms, die fünf Monate an Bord der ISS verbrachte und im August zur Erde zurückgekehrt ist. Und schließlich habe die russische Küche noch Abwechslung auf den Speiseplan gebracht, denn der Lebensmittelvorrat der ISS-Besatzung besteht zur Hälfte aus amerikanischem, zur Hälfte aus russischem Essen. Vermisst habe sie allerdings frisches Gemüse und Salat, sagt Helms.

Kein Junk Food

Mit den längeren Aufenthalten im All sei auch die Notwendigkeit für eine abwechslungsreichere und wohlschmeckende Nahrung gestiegen, sagt NASA-Ernährungsexperte Beerly Swango. An Bord einer Raumfähre könne man schon mal Kompromisse eingehen, denn eine Zwei-Wochen-Reise sei ja quasi nichts anderes als ein Campingausflug. Und außerdem, so erklärt Swango, sei Wasser bei der Produktion von Elektrizität im Space Shuttle ein Nebenprodukt, das dann dem dehydrierten Essen zugesetzt werden könne. Doch auf der Raumstation wird kein Wasser produziert - und das erfordert eine andere Art von Nahrung.

Fünf Jahre ist diese Form der Astronautennahrung haltbar, doch Eintöpfe, Joghurt oder fleischhaltige Vorspeisen benötigen nicht mehr Konservierungsstoffe als die Produkte, die in unseren Supermarktregalen liegen. Die Lebensmittel seien "hitzestabilisiert", erläuterte Swango. Dabei handle es sich um eine Methode, die dem Pasteurisieren ähnlich sei. Anschließend werde das Essen in High-Tech-Aluminiumbeutel verpackt und bleibe auf diese Weise frisch. Und während das Dehydrieren der Lebensmittel mehrere Tage dauert, sind die Fertiggerichte deutlich schneller zubereitet. (APA)

The Space Store

Neugierige können die Nahrungsmittel auch testen: Für umgerechnet 106 Schilling pro Packung bietet Dayna Steele Justiz im Internet das kosmische Essen zum Verkauf an. Und wer gerne dehydrierte russische Nahrung ausprobieren will, kann dies bei Zahlung eines kleinen Aufschlags ebenfalls tun.
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