"Contracting ist rezessionsunabhängig"

21. Jänner 2002, 15:22
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Keine Manager für Schönwetterprojekte - die Nachfrage nach Sanierern nimmt rapide zu

In Deutschland ziehen bereits 10.000 Interimsmanager von Unternehmen zu Unternehmen. Und die Zahl steigt. Die neue Art zu arbeiten ist für Unternehmen viel versprechend und für Manager, die das Verhältnis von Arbeit und Leben eigenständig gestalten wollen, interessant.

Interimsmanager sind Retter in der Not

Auch in Österreich erfreut sich der Manager auf Zeit steigender Beliebtheit: "Interimsmanager sind Retter in der Not. Ihre Arbeit beginnt, wo jene des Strategieberaters endet. Sie kommen nicht, um Ideen oder Visionen zu entwickeln, sondern als Umzusetzer", weiß Christoph La Garde, Managing Partner von H. Neumann International, Management Consulting.

Durchschnittsalter des Managers 42 Jahre

Wenn La Garde für seine Kunden Manager auf Zeit sucht, greift er auf ein europäisches Netzwerk zurück. Unter den in Datenbanken gespeicherten Kandidaten - Durchschnittsalter 42 Jahre, findet sich so mancher Topmanager. Statt untätig auf die nächste Topposition zu warten, stellen sie zeitlich befristet ihr Know-how zur Verfügung. "Sie wären dumm, wenn sie es nicht machen würden. Das sind Umsetzer und keine Flipchart-Akrobaten", typisiert La Garde.

Für den Turnaround eines österreichischen Industrieunternehmens etwa habe Neumann einen Extopmanager eines 180.000-Mitarbeiter-Konzerns eingesetzt, der in der Folge bei seinem temporären Arbeitgeber zum CEO avancierte.

Nicht nur für Schönwetterprojekte

Wurden früher zu 90 Prozent Manager für Schönwetterprojekte gesucht, nehme die Nachfrage nach Sanierern nun rapide zu: "Nächstes Jahr gehen mit Sicherheit 20 Prozent der Mandate Richtung Restrukturierung und Downsizing, denn in Rezessionsphasen steigen finanznahe Projekte", prognostiziert La Garde.

Das bedarf neben Erfahrung eines überdurchschnittlichen Quantums an Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit und sozialer Kompetenz. Denn schließlich haben diese "Retter in der Not" temporär Führungs- und Entscheidungskompetenz.

12.000 S Tagsatz

Der Tagsatz für Topmanager beträgt 12.000 S - damit liegt die Gage etwa 20 Prozent über jener ihrer festangestellten Kollegen. Für Unternehmen kommt die Provision (bei Neumann 30 Prozent) für die Vermittler hinzu. Dafür sparen sich die Auftraggeber alle Sozialleistungen und können sich überdies jederzeit von ihrem externen Helfer trennen.

Die durchschnittliche Einsatzdauer beziffert La Garde mit 60 bis 70 Beratertagen pro Projekt, an dessen Ende sich ein guter Contractor selbst wegrationalisiert habe. (zug/DER STANDARD, Print-Ausgabe)

Interimsmanagement gilt als ein Arbeitsmodell mit Zukunft. In einem Gespräch mit dem Standard skizziert Christoph La Garde* das Umfeld der neuen Jobnomaden.

Von Christoph La Garde, Referent und Coach

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