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21. Jänner 2002, 18:28
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Studie über 178 österreichische Top-Manager zeigt, wie man Karriere macht

Gibt es erkennbare Unterschiede zwischen Personengruppen, die letztlich erfolgreich oder nicht erfolgreich eine Position in der ersten Managementebene anstreben? Und falls es erkennbare Unterschiede gebe, welche sind diese im Einzelnen? Diesen zwei Kernfragen ging Peter Gusmits, Geschäftsführer der Dr. Helmut Neumann Management-Beratungs GesmbH, nach. Die empirische Langzeitstudie wurde in Form einer Dissertation über den Karriereverlauf von Personen, die eine Position in der ersten Unternehmensebene (Geschäftsführer/in oder Vorstand) anstrebten, am interdisziplinären Institut für verhaltenswissenschaftlich orientiertes Management an der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt.

178 untersuchte Personen

Von den 178 untersuchten Personen - darunter lediglich drei Frauen - haben 143 ihr Ziel erreicht. Ob die Kandidaten, deren Durchschnittsalter im Mittelwert etwas über 44 Jahre lag, Akademiker waren oder nicht, spielte beim Gipfelsturm keine entscheidende Rolle. Die Einkommen rangierten von 800.000 S (58.138 EURO) bis fünf Mio. S (363.364 EURO). Als bedeutendster Einflussfaktor für die Zielerreichung erwies sich eine berufliche Vergangenheit mit breiter Streuung von Funktionen. "Wer nur im Rechnungswesen oder nur im Marketing tätig war, macht eher eine Fachkarriere", resümiert Gusmits.

62,36 Prozent Akademikeranteil

Der Akademikeranteil lag (62,36 Prozent) insgesamt weit über dem Durchschnitt der Bevölkerung. Ein Studium erwies sich zwar als vorteilhaft, für die angestrebte Position war er aber weder alleine ausreichend noch unbedingt notwendig. Gusmits: "Prozentuell haben gleich viel Nichtakademiker wie Akademiker unter den beobachteten Personen ihr Ziel erreicht. Die Erfolgreichen mit Studienabschluss waren aber statistisch signifikant, nämlich zwei Semester, früher fertig."

Viele Jobwechsel

Und wie oft haben die nunmehrigen Topmanager zuvor ihre Jobs oder Arbeitgeber gewechselt? "Eine zu lange Verweildauer pro Organisation wirkt sich negativ auf den Karriereerfolg aus. In den ersten drei Positionen verweilten die untersuchten Personen durchschnittlich 30 Monate.

Bei Bewerbern für die Führungsposition von Unternehmen von bis zu 50 Mitarbeitern verzeichnet der erfahrene Headhunter eine gute Mischung aus Leistungsmacht und Beziehungsmotivation.

Streben nach Macht

Bei Kandidaten, die die Spitze in einem größeren Unternehmen anstrebten, dominierte die Machtmotivation. "Was für künftige Entwicklungen nicht irrelevant ist, weil kleinere Unternehmen entstehen, wo Machtmotivation nicht ausgelebt werden kann", kommentiert Gusmits.

Leistungsmotivation

Leistungsmotivation erwies sich als bedeutend, besonders für Erfolgreiche in größeren Unternehmen. Personen mit höherer Macht- beziehungsweise Leistungsmotivation wiesen höhere Einkommen auf. Personen mit niedriger Beziehungsmotivation wiesen das geringste, Personen mit mittlerer Beziehungsmotivation das höchste Einkommen auf.

Fazit

Ein in möglichst kurzer Zeit absolviertes Studium, Berufserfahrung in unterschiedlichen Funktionen, in einigen Organisationen mit nicht zu kurzer Verweildauer sowie eine Motivationsstruktur, die weder Beziehungs-, noch Leistungs- noch Machtmotivation unter einen zumindest mittleren Wert absinken lassen sollte, scheinen eine gute Basis für erfolgreiche Karriere darzustellen.
*Berücksichtigt und verfolgt wurden Karriereverläufe auch über einzelne Organisationen hinaus. Um Verzerrungen zu vermeiden, wurden nur die Werdegänge von Personen berücksichtigt, die expressis verbis Ambitionen für eine Geschäftsführungs-/Vorstandsposition bekundet hatten.
**Als Erfolg wurde ausschließlich gewertet, ob die beobachteten Kandidaten eine Position in der ersten Ebene erreicht haben, nicht ob die Personen das Unternehmen erfolgreich geführt haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

Eine eben veröffentlichte wissenschaftliche Studie* befasste sich mit den "Einflussfaktoren auf Karriereerfolg** im Topmanagement". Wer es an die Spitze brachte, hat meist auch schnell studiert.

Von Johanna Zugmann

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