Neue Welt und Steinfeld

    10. November 2001, 12:47
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    Die Fischauer Berge zwischen dem Einbruchsbecken der Neuen Welt und dem südlichen Teil des Wiener Beckens, dem Steinfeld, stecken voller Überraschungen wie interessanter Höhlen, geschichtsträchtiger Ruinen oder merkwürdiger Kletterfelsen.

    Vor nicht allzu langer Zeit hat man einen neuen Weg zum "Geotop Engelsberg" beschildert. Hinter dieser seltsamen Wortschöpfung – offensichtlich in Anlehnung an das Biotop – verbirgt sich ein alter, aufgelassener Marmorsteinbruch mit einer mächtigen roten und von weißen Adern durchzogenen Wand, aus der man noch im Zweiten Weltkrieg den beliebten Stein gewann. Nachweislich hat der Marmorabbau hier seit dem Jahr 1698 stattgefunden, möglicherweise geht der Engelsberger Marmorsteinbruch bereits auf die Römer zurück, die in diesem Bereich siedelten und viele Spuren hinterlassen haben.

    Den Stein aus den Fischauer Bergen verwendete man u. a. beim Stephansdom, bei der Neuklosterkirche in Wiener Neustadt oder im Kunsthistorischen Museum in Wien. Dass der rote Marmor gut wirkt, davon kann man sich im nahen Muthmannsdorf in der Kirche "St. Peter am Moos" überzeugen, deren Boden aus dem in der Umgebung gewonnenen Mineral besteht. Die Kirche ist auch wegen der romanischen Fresken sehenswert.

    Bei einer wenig anstrengenden, aber sehr abwechslungsreichen Runde zum "Geotop Engelsberg" kann man auch den Besuch der malerischen Ruine Emmerberg einbeziehen, die bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts bewohnt war, dann aber wegen der Dachsteuer dem Verfall preisgegeben wurde. Die Ruine darf nicht betreten werden.

    Die Route: Von Muthmannsdorf geht es ein paar Hundert Meter auf der Straße Richtung Winzendorf, bei einer Informationstafel "Geotop Engelsberg" beginnt die blaue Markierung, die über einen Rücken hinweg zum Steinbruch – mit Unterstandshütte und Relikten eines Bildhauersymposiums – führt. Gehzeit: eine Dreiviertelstunde. Dann kehrt man bis zum Rücken zurück und hält sich geradeaus.

    Die blaue Markierung führt später nach links in einen Graben und dann am Waldrand – Vorsicht, Abzweigung vom Fahrweg leicht zu übersehen (zwei Betonstufen) – nach Winzendorf. Ab dem Mamorsteinbruch eine Stunde. Auf dem Jubliäumssteig wandert man am rechten Ufer des kleinen Baches durch die Prossetschlucht, quert auf dem ersten Steg wieder ans linke Ufer und geht ein kurzes Stück auf der Straße zurück.

    Bei einer Brücke zu einem gelben Haus zweigt nach links eine – nicht sehr gute – rote Markierung, auf der man zur Ruine Emmerberg auf- und dann zu einem Forsthaus absteigt. In einem spitzen Winkel nach rechts geht es – rot markiert – fast eben weiter, bei einem rot-weiß-roten Schranken wendet man sich schräg links hinab, erreicht die Straße und kehrt nach Muthmannsdorf zurück. Ab Winzendorf eineinhalb Stunden.

    Der Standard/10/11/2001

    Von Bernd Orfer

    Gesamtgehzeit beträgt dreieinhalb Stunden, die Höhendifferenz 200 m. Gasthäuser befinden sich in Winzendorf. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 76 (Wiener Neustadt).
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