Studieren mit Gebühren von Wien bis Innsbruck

9. November 2001, 20:23
posten

Eine erste Bestandsaufnahme

Wien

"In den Hörsälen herrscht Betrieb wie immer", sagt Günther Vinek, der für Informationsmanagement zuständige Vizerektor der Universität Wien. Obwohl die Gesamtzahl der Inskribierten um 20,75 Prozent und auch jene der Neuzulassungen um 20,66 Prozent zurückgegangen sei, meint Vinek: "Ich habe noch keinen Kollegen gehört, der gesagt hätte, dass deshalb weniger Leute im Seminar sitzen." Offenbar habe es sogar unter den Erstinskribenten Leute gegeben, die sich den Studentenstatus lediglich zum Schein verliehen hätten.

Auch bei den einzelnen Studienrichtungen schauen die Trends ähnlich aus: So ist etwa bei der Psychologie die Zahl der Erstzulassungen von 1333 auf 964 gesunken. In der Medizin ist diese Zahl von 1531 auf 1189 gefallen. Frauen haben die Nase vorn: Von den 9481 Erstinskribenten sind 6199 weiblich. Bei den gesamten Zulassungszahlen ist die Zahl der Männer um 26,04 und die der Frauen um 17,01 gesunken. Möglicherweise habe es bei den Frauen weniger "Karteileichen" gegeben, mutmaßt Vinek. Mehr Studenten als bisher werden in der Wirtschaftsinformatik gezählt. Ansonsten hat der Vizerektor "noch keinen Ausreißer gefunden".

Insgesamt gibt Vinek allerdings zu bedenken, dass die Vergleichbarkeit der Daten zwischen dem heurigen und dem letzten Studienjahr "nicht so toll" sei. Man werde noch auf genauere Analysen warten müssen. Auch untereinander hätten die Unis Probleme. Da gehe es um Begriffsbestimmungen wie "Mitbeleger" oder "Fortsetzungsmelder", die bundesweit unterschiedlich definiert seien. Hier sei der Spielraum für Interpretationen groß. (mon)

Salzburg

Die vorläufige Statistik über die Zahl der Studierenden an der Universität Salzburg zeigt vor allem dramatische Rückgänge bei den außerordentlichen Hörern. Knapp 2000 waren im vergangenen Jahr gemeldet, heuer sind es nur mehr 700, also um 64 Prozent weniger. Noch krasser ist der Schwund bei außerordentlichen Seniorenstudenten, nämlich gleich 82 Prozent. Die Ursachen ortet man an der Uni in erster Linie bei den Studiengebühren. Wer sich als "Außerordentlicher" inskribiert, will zumeist kein ganzes Studium abschließen, sondern nur gewisse Fachkenntnisse, etwa in Sprachkursen, erwerben.

Das erklärt auch die sinkenden Inskriptionen: "Für viele steht das einfach nicht dafür", vermutet Pressereferentin der Uni, Gabriele Pfeifer, "und deswegen zahlen sie auch nicht". Gerade Seniorenstudenten blieben ihren Lieblingsstudienrichtungen - Geschichte, Kunstgeschichte, Musik und Geographie - aber dennoch treu und besuchten die Vorlesungen eben, ohne inskribiert zu sein. Einige würden vielleicht davor zurückschrecken, "schwarz" zu studieren, aus Angst verjagt zu werden. "Das passiert aber sicher nicht", sagt Pfeifer.

Die Zahl der ordentlichen Hörer sank im Vergleich zum Vorjahr von 11.850 auf 9070, das entspricht 23,4 Prozent. Spürbar ist das nachlassende Interesse auch bei den Neuzugängen. Die Zahl der Studienanfänger ist um über 200 Studierende auf nunmehr 1334 zurückgegangen. Neben den Gebühren sind aber auch neue Baccalauréat-Angebote und die Einführung von Vollstudien statt kombinationspflichtiger für die sinkende Anzahl Studierender verantwortlich, meint der Heinrich Suida, Vizerektor für Lehre. (stet)

Innsbruck - Noch gibt es keine verlässlichen Erklärungen für den hohen Rückgang an Frauen unter den Studienanfängern an der Uni Innsbruck. Wie berichtet haben in Innsbruck, der drittgrößten Universität, heuer um 20 Prozent weniger Frauen ein Studium begonnen als letztes Jahr, aber "nur" um vier Prozent weniger Männer.

Insgesamt lag die Zahl der Anfänger mit 3331 und einem Minus von 12,8 Prozent unter jener von vor zehn Jahren (1991: 3420), ein Negativtrend, der Rektor Hans Moser überrascht: "Eigentlich ging man davon aus, dass die Gebühren keine Maturanten von einem Studium abhalten würden." Allerdings: In Innsbruck war auch der Zulauf an die Uni in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark. Beim "sehr bedauerlichen" Frauenrückgang warnt Moser vor voreiligen Schlüssen. "Aber wenn sich herausstellen sollte, dass es soziale Gründe sind, die die Frauen nun eher von den Universitäten abhalten als Männer, etwa bei größeren Familien Söhne bevorzugt würden, wäre das ein enormer Rückschritt." Jedenfalls sei Handlungsbedarf gegeben.

In der Studienabteilung wird darauf hingewiesen, dass auch die Studienbeihilfen von Frauen nicht als ausreichendes Netz empfunden werden könnten. Stipendien werden nur für die Zeit der Mindeststudiendauer plus einem Semester und bei Erfüllung einer Mindestleistung bezahlt: Für Frauen mit Kindern etwa sei das nicht leicht zu schaffen.

Die Leiterin der Studienabteilung, Rosa Maria Reinalter hat bei der Studienberatung zudem heuer bei Frauen ein stärkeres Interesse an Fachhochschulen festgestellt, "einen Trend zu zügigerem Studium". (bs) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11. November 2001)

Share if you care.