USA: Medizinischer Datenschutz verletzt

10. November 2001, 15:00
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Psychologische Gutachten auf Website veröffentlicht

Los Angeles - Auf der Website der Universität Montana sind vertrauliche psychologische Gutachten von mindestens 62 Kindern und Jugendlichen veröffentlicht worden. Laut L.A. Times wurde ein 400 Seiten starkes Dokument mit detaillierten Diagnosen über Depression, Schizophrenie sowie die Anzahl der Arztbesuche versehentlich unverschlüsselt ins Netz gestellt.

In beinahe allen Fällen enthielt das Dokument den vollständigen Namen, Geburtsdaten und zum Teil auch die Wohnadresse des Patienten sowie die Ergebnisse psychologischer Tests. Die Gutachten waren acht Tage online und wurden erst nach veröffentlichten Berichten der lokalen Tageszeitung Missoulian über massive Datenschutz-Verletzungen von der Website genommen. Ein Sprecher der Universität von Montana geht davon aus, dass ein Student oder technischer Mitarbeiter die privaten Daten versehentlich online gestellt hat. Wie viele Personen unauthorisiert in die Daten eingesehen haben ist unklar.

Betroffene nicht informiert

David Aronofsky, Anwalt der Universität von Montana, sagte gegenüber der L.A. Times, dass die betroffenen Patienten und medizinische Einrichtungen noch nicht über den Vorfall informiert wurden. Sie würden erst dann kontaktiert werden, wenn es notwendig erscheine und nachdem die internen Untersuchungen abgeschlossen seien. "Wir verharmlosen weder die Geschehnisse noch wollen wir sie verschleiern", so Aronofsky.

Der Fall von Montana ist allerdings nicht der erste Fall von medizinischen Datenschutzverletzungen im Internet. Anfang des Jahres machte ein Massen-E-Mail des Pharmaunternehmens Eli Lilly Schlagzeilen. Der Produzent des Antidepressivums Prozac veröffentlichte irrtümlich die Namen von 600 Patienten in psychiatrischer Behandlung. (pte)

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