Neue Möglichkeiten der Klanggestaltung

10. November 2001, 12:00
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Wiener Volksoper mit neuem Funknetzwerk ausgestattet

Wien - Als Direktor der Volksoper muss man "von vielem etwas verstehen". Aber nicht von allem. Also ließ sich Dominique Mentha "glaubhaft versichern", dass das am Freitag bei einer Pressekonferenz präsentierte neue Funknetzwerk (Wireless LAN) für die Volksoper "etwas sehr gutes" ist. Mit der Installierung des drahtlosen Netzwerks zu Beginn der Spielzeit wurden der Volksoper neue Möglichkeiten bei der Klanggestaltung im Zuschauerraum eröffnet, ergänzte Martin Lukesch, Leiter der Abteilung Tontechnik.

Die Volksoper ist mit dem vom amerikanischen Netzwerkspezialisten Cisco Systems (der schon unter anderem die Secession und das Konservatorium der Stadt Wien mit Wireless LANs bestückt hat und nach dessen korrekter Aussprache - "Sisko" - sich Mentha kurz vor der Pressekonferenz noch erkundigte) gesponserten und installierten System "das erste Musiktheater in Europa", das drahtlos vernetzt ist. Und "wohl auch das letzte Musiktheater in Europa, dem dieses System geschenkt wurde", freute sich Mentha.

Freude über die Möglichkeiten

Mit der hausweiten Vernetzung der Tontechnik über eine Funkverbindung können Lukesch und sein Team "von jedem Platz des Zuschauerraums aus in den Sound eingreifen" und für ein optimales Klangerlebnis sorgen, freute sich Lukesch. Denn nunmehr kann man sich ohne lästige Kabel mit speziellen Netzwerkkarten versehenen Laptop-Clients ortsunabhängig ins Netzwerk einklinken und die Software des zentralen Tontechnik-Servers, die zwei großen Mischpulte und die von einem Client-Server-System überwachten Verstärker (Gesamtleistung: rund 120.000 Watt) ansprechen. Effektzuspielung, Stimmen- und Instrumentenverstärkung können so gezielt gesteuert werden. Diese Möglichkeiten wurden bei der "West Side Story" erstmals eingesetzt.

Im Gespräch schilderte Lukesch die reichhaltigen Gestaltungsmöglichkeiten: Mit je sechs Lautsprechern pro "Zuschauerportal", unter dem Parkett verborgenen "Subwoofern", den Surround-Boxen und den mit Verzögerung beschickten "Delay-Lines" bei den Rängen könne "wirklich" für je drei Sitzplätze ein individueller Klang geschaffen werden. Ziel sei, für jeden Zuschauer - egal, wo er sitzt - "das selbe Hörerlebnis" zu ermöglichen. Durch die Möglichkeit der Echtzeit-Soundveränderung sei man auch "viel schneller in der Produktion".

Die Sorge vor einem technisch begabten, böswilligen Operettenhasser, der sich von außen in das Wireless LAN der Volksoper einklinkt und ungewollte Soundveränderungen unternimmt, sei "extrem gering bis nicht vorhanden", wurde aber dennoch im Vorfeld erwogen. "Was kann er schon verändern?", so Lukesch. "Selbst wenn er das Netzwerk knackt, muss er noch in die Server kommen. Und dort muss er sich erst auskennen". Die Volksoper habe - "Gott sei Dank" - sehr dicke Mauern, die die Funksignale abschwächen oder vollständig filtern. (APA)

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