Als Ausweis akzeptiert, als Bürgerkarte nicht

9. November 2001, 17:29
1 Posting

Chipkarte: Mehrheit bereit, auch Notfalldaten zu speichern

Wien/Linz - Die Österreicher akzeptieren in hohem Ausmaß die von der Sozialversicherung geplante Chipkarte - aber sie haben von ihren Einsatzmöglichkeiten ganz andere Vorstellungen als die Regierung.

So lässt sich die in dieser Woche durchgeführte market-Umfrage (n= 399) für den Standard zusammenfassen. Diese Karte ist ja vor allem als Krankenscheinersatz gedacht - statt einen Krankenschein beim Arbeitgeber ausstellen zu lassen und dann beim Arzt abzugeben, wird man künftig einfach eine kreditkartengroße Karte in der Ordination vorweisen.

Diese Kernfunktion der Chipkarte halten neun von zehn Österreichern für sinnvoll - auch bei älteren Befragten gibt es da keine messbare Technikskepsis.

der Standard ließ auch andere Anwendungsgebiete abfragen. "So eine Chipkarte kann ja verschiedene Informationen enthalten, sie könnte neben der Krankenscheinfunktion auch die Funktion einer Bürgerkarte haben, die man etwa bei Behördenwegen verwenden kann. Ich lese nun einige Anwendungsgebiete vor, bei denen man die Chipkarte verwenden könnte und bitte Sie, mir jeweils zu sagen, ob Sie diese Verwendung für sinnvoll erachten":

"Speicherung von Notfalldaten wie der Blutgruppe und Allergien" - diese von der SPÖ scharf abgelehnte Option halten 96 Prozent für sinnvoll, nur drei Prozent sind dagegen.

"Speicherung medizinischer Befunde und der Krankengeschichte" - dem stimmen immerhin noch 55 Prozent zu, 44 Prozent sind dagegen.

"Speicherung eines Bildes, damit die Chipkarte auch als Personalausweis verwendbar ist" - diese von der Regierung derzeit nicht weiter verfolgte Möglichkeit wird von 66 Prozent gewünscht, nur jeder dritte Befragte ist dagegen. Besonders kritisch sind in diesem Punkt wie auch im vorherigen die Wähler der Grünen.

"Speicherung von Fingerabdruck und anderen biometrischen Daten, damit man den Inhaber eindeutig identifizieren kann" - das wird von 57 Prozent (vor allem von Anhängern der Koalitionsparteien) für sinnvoll gehalten.

"Speicherung der Unterschrift, damit man elektronische Akten unterzeichnen kann" - diese für Verwaltungsvereinfachungen wichtige Funktion als "Bürgerkarte" halten nur 29 Prozent für sinnvoll, 69 Prozent sind dagegen.

"Speicherung der Steuernummer, damit man die Steuererklärung unterzeichnen kann" - das wollen nur 27 Prozent. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11. November 2001)

Von Conrad Seidl
Share if you care.