"ÖIAG soll die Karten auf den Tisch legen"

9. November 2001, 16:57
posten

Grüne fordern Pläne für Telekom Austria

Wien - Die Grünen wollen der offenbar seit Wochen laufenden Suche nach möglichen Kaufinteressenten für die Telekom Austria nicht tatenlos zusehen. "Die Verstaatlichtenholding ÖIAG soll die Karten auf den Tisch legen und dem Parlament berichten, was sie mit der Telekom Austria vor hat", forderte die grüne Verkehrs- und Telekomsprecherin Gabriela Moser. Selbiges sei auch für die gelbe Post dringend notwendig, denn bei dieser bereite die ÖIAG offenbar im stillen Kämmerlein eine Vorstandsablöse vor.

Konkret verlangt Moser von der ÖIAG-Spitze, dass im Industrieausschuss sämtliche Verkaufsoptionen für Österreichs größten Telekomkonzern dargelegt und deren Auswirkungen auf Infrastruktur, Standort, Industriepolitik und Eigentümer abgeklopft werden. Dies müsste unbedingt noch heuer erfolgen, ein Antrag sei bereits eingebracht.

Starke Verhandlungsposition

Anlass für die Grün-Offensive ist die von TA-Großaktionär Telecom Italia (29,8 Prozent) dieser Tage offiziell bestätigte Verkaufsabsicht. Keiner wisse allerdings, an wen und um welchen Preis, kritisiert Moser. Die ÖIAG, die 47,8 Prozent an der TA hält, dementierte, über die Verkaufsgelüste der Italiener informiert zu sein. Da Telecom Italia gegen den Willen der ÖIAG ihre TA-Anteile gar nicht verkaufen könne, habe man eine sehr starke Verhandlungsposition. Internen Informationen zufolge gibt es bereits sehr detaillierte Verkaufs- und Filetierungsszenarien für den verschachtelten TA-Konzern.

Vom Tisch dürfte inzwischen ein Totalumbau der TA sein, bei dem die Töchter Datakom und Jet2Web Internet ins Festnetz reintegriert worden wären. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 10.11.2001)

Share if you care.