Verhaltener Optimismus für US-Börsen

9. November 2001, 16:41
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Fondsmanager favorisieren nicht-zyklische Konsumwerte und ausgesuchte Technologieaktien

Wien - Verhalten optimistisch zeigen sich Fondsmanager in ihren jüngsten Einschätzungen zu den US-Börsen. Der weiter negativen Gewinnentwicklung der Unternehmen würde mittelfristig das günstige Zinsumfeld entgegen stehen, so der Grundtenor der Fondsmanager. So erwartet Sheryl Hempel, Fondsmanagerin des Credit Suisse Equity Fund (Lux) USA, dass die Konjunkturschwäche bis zum ersten Quartal 2002 andauern wird. Die Terroranschläge vom 11. September haben eine baldige Erholung der US-Konjunktur und der Unternehmensgewinne zusätzlich verzögert, begründet die Expertin in einer aktuellen Aussendung ihre Einschätzung. Auch die Bank Austria-Fondstochter Capital Invest verweist in ihrem aktuellen Marktkommentar auf einige unter den Erwartungen ausgefallene Unternehmensergebnisse.

Tiefpunkt im vierten Quartal

Der erwartete Tiefpunkt der Gewinnentwicklung dürfte sich auf das vierte Quartal 2002 verschieben, so die Einschätzung von Sheryl Hempel. Grund ist die Zurückhaltung der Verbraucher beim privaten Konsum, die sich durch die massiv angestiegene Arbeitslosigkeit weiter verschärfen wird. Auch wird nach Ansicht Hempels der in den vergangenen Jahren bei den Unternehmen beobachtete Effekt, die vorhandenen Budgets zum Jahresende vollständig auszuschöpfen, auf Grund der Sparmaßnahmen und Kostensenkungsprogramme ausbleiben.

Positive Impulse durch Zinssenkungen

Positive Impulse für eine Belebung der Konjunktur sieht Hempel in den aggressiven Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und den staatlichen Konjunkturprogrammen. Diese dürften auf längere Sicht zu einer deutlichen Erholung und steigenden Unternehmensgewinnen führen, so die Einschätzung für der Credit Suisse-Fondsmanagerin.

Angesichts dieser Marktsituation habe Hempel ihren Fonds in den letzten Monaten defensiv ausgerichtet. Auf Sektorenebene bevorzugt Hempel derzeit nicht-zyklische Konsumwerte sowie Unternehmen, die in der Vergangenheit negative Entwicklungen durchmachten und sich derzeit durch interne Restrukturierungen neu am Markt positionieren. Als Beispiele führt Hempel McDonalds, Gillette und Coca-Cola an. Einen Großteil der Positionen in zyklischen Konsumwerten wie Wal-Mart und Ford hat Hempel bereits Anfang August abgestoßen und dieses Marktsegment stark untergewichtet.

Zurückhaltung bei Finanzdienstleistern

Zurückhaltend ist Hempel auch bei Finanzdienstleistern, da eine große Anzahl von Problemkrediten die Gewinne der Banken schmälern und der Bereich Investmentbanking derzeit Verluste bringe. Reduziert hat Hempel auch ihre Positionen im Bereich Grundstoffe. Den Technologieanteil beschränkt Hempel derzeit auf Unternehmen, die zu den Marktführern zählen und über eine starke Marke oder Macht bei der Preisgestaltung verfügen. Zugleich geht Hempel davon aus, dass von einem möglichen Aufschwung des Technologiesektors vor allem PC-Hersteller und Produzenten von Halbleitern profitieren werden.

Unternehmensergebnisse belasten

Die Bank Austria-Fondstochter Capital Invest führt in ihrem aktuellen Fondskommentar vor allem einige unter den Erwartungen ausgefallene Unternehmensergebnisse als Begründung für die Marktschwäche an. Als Beispiel nennt die Capital Invest Time Warner und das schwächere Wachstum ihrer AOL Division. Auch der Pharmakonzern Merck kämpfe mit schwächerem Umsatzwachstum beim Medikament Vioxx. "Alles in allem kann man aus dieser Reaktion sehen, dass für Investoren weiterhin die derzeitigen Gewinnaussichten eine Rolle spielen und, dass die schlechten Ergebnisse 2001 nicht komplett ignoriert werden", so die Einschätzung der Capital Invest. Historisch gesehen sei der Markt - insbesondere der Technologiesektor - noch immer hoch bewertet.

Einstieg günstig

Angesichts des historisch niedrigen Zins- und Inflationsniveaus sei der Zeitpunkt für Einstiege in US-Aktien aber durchaus günstig. Das Geldmengenwachstum und das von der Regierung Bush eingeleitete Konjunkturprogramm sollten in Kombination mit den niedrigen Energiepreisen die Wirtschaft wieder ankurbeln, geben sich die Capital Invest-Experten optimistisch. Die stärkste Branchengewichtung weist der Capital Invest-Fonds "America Stock" mit einem Portefeuilleanteil von über 15 Prozent derzeit in den Sektoren Technologie, Gesundheitswesen und Finanz auf. (APA)

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