Das Auto auf dem Mond finden

9. November 2001, 21:46
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Zwei Riesen-Teleskope in Chile wurden zusammen geschaltet

La Silla/Wien - Seit Jahren schreitet der Aufbau der vier Teleskope des "Very Large Telescope" (VLT) in Cerro Paranal (Chile) voran. Nun konnten erstmals zwei der Achtmeter-Monstren zusammengeschaltet werden und dadurch wie ein Fernrohr mit einem Durchmesser von 100 Metern agieren. "Antu" und "Melipal" - so die Namen der ersten beiden kooperierenden Geräte - könnten damit ein Auto auf dem Mond ausmachen.

"Die Schärfe eines Teleskops steigt mit dem Durchmesser seines Spiegels, eine 100 Meter Gerät ist 100 Mal schärfer als ein ein Meter-Teleskop", sagte dazu Hans Maitzen, Professor am Institut für Astronomie der Universität Wien im Gespräch. Das die Herstellung einer so riesigen Linse oder eines Spiegels derzeit und wohl auch in absehbarer Zukunft nicht möglich ist, haben die Astronomen einen Trick erdacht.

"Interferometrie"

Bei der so genannten "Interferometrie" werden einzelne Geräte über Computer derart zusammengeschaltet, dass sie arbeiten, als wären sie ein einziger, großer Spiegel. Das heißt, zwei Teleskope in einem Abstand von 100 Metern - so wie in La Silla - erreichen die Schärfe eines 100 Meter Teleskops. Für das VLT wurden vier acht Meter-Fernrohre, die Vernetzung ist im Gange. Einmal fertig zusammengeschaltet soll das VLT eine Auflösung im Bereich von Tausendstel Bodensekunden, zum Vergleich, das Hubble-Weltraumteleskop kommt nur auf fünf Hundertstel Bogensekunden.

Ist das größte Teleskop der Welt einmal im Vollbetrieb, so könnten damit erstmals die Durchmesser von weit entfernten Sternen vermessen werden. "Kennt man die Durchmesser, kann man auch die Entfernungen im Weltall besser bestimmen, die Maßstäbe werden genauer", so Maitzen. Bisher konnten die Distanzen des Kosmos nur durch andere, meist indirekte Verfahren bestimmt werden. Aber auch für die Erforschung der Vorgänge im Inneren der Sterne erwartet Maizen durch das VLT entscheidende Fortschritte.

Kämpfen um Beitritt

Österreichische Wissenschafter kämpfen seit rund 20 Jahren um eine Mitgliedschaft in der ESO. Bisher sind die Bemühungen meist am Veto des jeweiligen österreichischen Finanzministers gescheitert. "Nur durch eine Mitgliedschaft hätten wir alle Rechte für die Verwendung aller Einrichtungen der ESO", so Maitzen. Der Betrittschlüssel wäre das Bruttoinlandsprodukt (BIP), für Österreich käme eine Beteiligung in der Höhe von 2,5 Prozent in Frage.

Die Kosten setzen sich aus jährlichen Zahlungen (rund 34 Millionen Schilling oder 2,5 Millionen Euro) und eine Eintrittsgebühr von um die 200 Millionen Schilling zusammen. (APA)

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