Wiener ÖVP will den "5er" retten

9. November 2001, 15:24
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Einstellung der Verbindung zwischen Praterstern und Westbahnhof soll verhindert werden

Wien - Die Wiener ÖVP macht sich Sorgen um die Wiener Straßenbahnlinie 5. Weil die traditionsreiche Verbindung zwischen Praterstern und Westbahnhof seit 14. Mai in den Abendstunden nur noch bis zur U6-Station Josefstädter Straße kurzgeführt wird, befürchtet Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl jetzt die Kompletteinstellung der Linie. Unterstützt von sechs VP-Bezirkspolitikern kündigte Gerstl bei einer Pressekonferenz am Freitag Protestmaßnahmen an. "Das kann bis zum Sitzstreik gehen", drohte Ferdinand Bauer, VP-Bezirkschef im 7. Bezirk.

Fünf Bezirke könnten ohne Umsteigen durchquert werden

"Wir sind eine Partei, die den Verkehr fließen lassen will", so Gerstl, der betonte, dass das nicht nur für den motorisierten Individualverkehr gelte. Linien wie der "5er" seien ein Teil der Wiener Lebensqualität. Fünf Bezirke könnten ohne Umsteigen durchquert werden: Das sei für Studenten, die auf der Straßenbahnfahrt noch schnell einen Blick in ihre Skripten werfen wollen ebenso wichtig wie für ältere Menschen, die Angst vor dem U-Bahn-Fahren haben.

Kritik auch an Grün Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger

Die Wiener Linien seien wegen der Kurzführung der Linie 5 - die Kaiserstraße in Wien-Neubau wird nur noch bis 21.00 Uhr bedient - in keiner Weise gesprächsbereit, empörte sich Bauer. Und auch der Grüne Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger verspreche nur das Blaue vom Himmel. Indiz dafür, dass sich die Wiener Linien längst von der Versorgung der ehemals florierenden Geschäftsstraße verabschiedet hätten, sind für Bauer die Gleisbauarbeiten im Sommer, bei denen keine Lärmschutzmaßnahmen vorgenommen worden seien.

Gerstl übte auch Kritik an der regierenden Rathaus-SP: Diese habe mit dem kürzlich in Kraft getretenen Nahverkehrsvertrag dafür gesorgt, dass Bus- und Straßenbahnlinien ohne Konsequenzen für die Wiener Linien eingestellt werden könnten. Gerstl erneuerte seine Forderung nach einem Fahrgastbeirat, "damit nicht über die Hintertür das Angebot ausgedünnt wird". Und auch die Tarifautonomie des Verkehrsunternehmens ist dem VP-Verkehrssprecher ein Dorn im Auge: "Es darf nicht sein, dass die Wiener Linien ohne Konkurrenz und ohne Leistungserhöhungen die Ticketpreise erhöhen dürfen." (APA)

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