Restriktive Grenzwerte für Mobilfunksender auf Wiener Gemeindebauten

9. November 2001, 15:53
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Tagesdurchschnittswerte dürften jedoch von Anbietern überschritten werden

Wien - Die Gemeinde Wien hat unter Mitwirkung der Wiener Umweltanwaltschaft eine genaue Vorgangsweise für die zukünftigen Aufstellungen von Mobilfunkanlagen im Rahmen der privatrechtlichen Vertragsgestaltung zwischen der Gemeinde Wien als Haus- und Grundstückseigentümerin und den Mobilfunkbetreibern beschlossen. Dies bestätigte Alfred Brezansky von der Wiener Umweltanwaltschaft.

Maximal 10 Milliwatt pro Quadratmeter erlaubt

Die dabei fest gelegten Grenzwerte, die der Mobilfunkbetreiber garantieren muss, sind sehr restriktiv: Maximal 10 Milliwatt pro Quadratmeter darf die so genannte Leistungsflussdichte - vulgo Abstrahlung - betragen. Zum Vergleich: "Die derzeitigen Grenzwerte der ICNIRP bzw. der EU-Ratsempfehlung liegen bei 9.000 Milliwatt für einen Frequenzbereich von 1800 MHz bzw. 4.500 Milliwatt für 900MHz", erklärte Brezansky. Die von Wien fest gelegten Werte verhinderten Mobilfunkanlagen keineswegs, stellten aber einen Schutz nicht nur für die Bewohner dar, sondern auch für jene Menschen - etwa Arbeiter und Techniker - die am Dach des Hauses oder in einem Nahbereich des Senders von einem bis zwei Metern arbeiteten.

Bei Überschreitung des Wertes

Dieser Vorsorgewert muss bei allen Anrainern dieser Sendeanlage und selbstverständlich auch in den Wohnungen der Bewohner jenes Hauses, auf dem die Anlage aufgestellt wird, eingehalten werden. Werden mehrere Sendeanlagen auf einem Standort errichtet oder soll zu einer bereits bestehenden Sendeanlage eine neue hinzukommen, so darf in Summe der Vorsorgewert in keinem Fall überschritten werden. "Wird der Wert dennoch überschritten, muss man schauen, ob man durch eine etwas andere Ausrichtung des Senders oder durch eine geringfügige Rücknahme der Leistung wieder in die gestatteten Werte kommt", betonte Brezansky.

Errichtung ist bis auf wenige Ausnahmen bewilligungsfrei

Diese Vorgangsweise bezieht sich allerdings nur auf die Errichtung von Mobilfunkanlagen auf städtischen Wohnhausanlagen oder Grundstücken. Denn nur dort kann die Stadt Wien privatrechtliche Vereinbarungen mit den Betreibern schließen. Auf Grund der derzeitigen unbefriedigenden rechtlichen Situation kann die Einhaltung von Vorsorgewerten nur im Rahmen privatrechtlicher Verträge zwischen den jeweiligen Liegenschaftseigentümern und den Sendeanlagebetreibern gefordert werden. Der Grund: Die Errichtung dieser Anlagen ist bis auf wenige Ausnahmen bewilligungsfrei.

Ausreichend Schutz

Ein Vorsorgewert für die Leistungsflussdichte zwischen einem bis zehn Milliwatt pro Quadratmeter sollte nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausreichenden Schutz für die Bevölkerung vor möglichen gesundheitlichen Auswirkungen durch elektromagnetischen Strahlung im Frequenzbereich des Mobilfunks bieten. Das konstatiert die WUA auf Grund ihrer langjährigen Befassung mit der möglichen Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunkanlagen und dem ständigen Erfahrungsaustausch mit kritischen Medizinern und WissenschafterInnen sowie unter Berücksichtigung der Ergebnisse der internationalen Konferenzen zur Situierung von Mobilfunksendern in Salzburg.

Forum Mobilkommunikation spricht von "Falschmeldung

Als "Falschmeldung" hat Thomas Barmüller, Chef des Forums Mobilkommunikation (FMK), am Freitag die Ankündigung der Wiener Umweltanwaltschaft (WUA) über neue restriktive Grenzwerte für Mobilfunkanlagen auf Wiener Gemeindebauten bezeichnet.

Es gebe keine Vereinbarung zwischen der Stadt Wien und den Mobilfunkbetreibern, in der Vorsorgewerte zugesichert worden seien, die einen Gesamtimmissionsbegrenzung von zehn Milliwatt pro Quadratmeter beinhalten, betonte Barmüller in einer Aussendung.

Tagesdurchschnittswert darf von Anbietern überschritten werden

Für die Gesamtemission aller Funkdienste würden weiter die weniger restriktiven und "international anerkannten und wissenschaftlich fundierten" Grenzwertempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO gelten. Zehn MW/Quadratmeter sei nur als Tagesdurchschnittswert für jeden einzelnen Anbieter vereinbart worden. Es sei jedem der vier heimischen Anbieter gestattet, in Spitzenzeiten diesen Wert zu überschreiten, erklärte Barmüller gegenüber der APA: "Wenn viel telefoniert wird, gelten die WHO-Werte." (APA)

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