Venture Capital-Markt: Konsolidierungsphase nach Boom

9. November 2001, 14:06
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Noch großes Potenzial in Österreich - Derzeit Probleme beim Exit

Wien - Der Venture Capital-Markt erfährt seit dem Ende des New Economy-Booms einen grundlegenden Wandel, ein Einbruch der Risikokapitalbranche ist aber laut Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO) keinesfalls zu erwarten. Die hohen Exiterträge aus den Zeiten des Börsenbooms seien derzeit nicht mehr in diesem Maße möglich, sagte der AVCO-Geschäftsführer Thomas Jud am Donnerstagabend in Wien. Das dämpfe zwar einerseits die Unternehmensbewertungen, bringe aber gleichzeitig Investitionsanreize mit sich, die sich stabilisierend auf die Beteiligungsaktivitäten auswirkten.

"Schrittweiser Aufbau"

Die Risikokapitalgeber sind insgesamt vorsichtiger geworden: "Es wird nicht mehr in rasantes Wachstum investiert, um die Beteiligungen nach kurzer Zeit wieder abstoßen zu können", erklärte Jud. Dadurch sei die Behaltefrist in den Portfolios wieder "auf das übliche Niveau von drei bis fünf Jahren" angestiegen. Folge des nunmehr "schrittweisen Aufbaus der Unternehmen" sei, dass die einzelnen Finanzierungsrunden geringer ausfallen würden.

Beteiligungsaktivitäten konstant

Dass die Beteiligungsaktivitäten trotz dieser Entwicklung im Vergleich zum Investitionsvolumen des Rekordjahrs 2000 von rund 163 Mill. Euro (2,24 Mrd. S) konstant geblieben bzw. leicht gestiegen seien, führt Jud auf die "anhaltend starke Nachfrage nach Risikokapital" zurück. Zudem stecke in der von kleinen und mittleren Unternehmen dominierten österreichischen Wirtschaft noch großes, aber unausgeschöpftes Potenzial.

Veränderungen sind auch am weiter entwickelten deutschen Markt für Risikokapital auszumachen, wo der Boom in eine Konsolidierungsphase übergegangen ist. Nachdem in Deutschland lange die Erstinvestitionen dominiert hätten, sei derzeit ein Ansteigen der Folgeinvestitionen zu beobachten, stellte der Geschäftsführer des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), Holger Frommann, fest. Die Kapitalgeber würden bei neuen Projekten stärker prüfen, um weniger Ausfälle zu riskieren, und andererseits bei guten Portfoliounternehmen Geld nachschießen.

Exitkanäle geschlossen

Ein großes Problem liegt laut Frommann darin, dass die Exitkanäle geschlossen seien. Börsengänge seien kaum möglich und auch Trade Sales ließen sich nicht so leicht realisieren. Das sein vor allem für jene Unternehmen problematisch, die frisches Kapital benötigten, aber noch keine Performance aufweisen könnten, so der BVK-Geschäftsführer.

Marktbereinigung

Als Resultat dieser Entwicklungen sieht Frommann eine Marktbereinigung. Es werde zu Übernahmen, Fusionen und strategischen Allianzen kommen und auch "Ausfälle aus dem Markt" seien zu erwarten. Das sei aber keine besondere Entwicklung, sondern würde vielmehr die zyklischen Trends widerspiegeln, denen wirtschaftliche Entwicklungen unterworfen seien. (APA)

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    foto: photodisc
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