Alter Rohstoff, neues Vehikel: Woman

3. März 2002, 18:08
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Bestätigt! "Woman"'s Welt ist unverändert

Die Welt könnte so böse nicht sein, wenn sie sich in ihrem Potenzial an Ausformungen darstellen ließe; im Übergang von Disziplinargesellschaft zur Kontrollgesellschaft spart mensch sich's immer mehr aus, das Luxusgut Vielfalt. Es wird ihr/m ausgespart. Immer und immer und mehr. Ein Ur-Gatsch aus Oberflächenkorrekturen, Neubenennungen und -zuordnungen bleibt; für Neues ist nicht die Zeit. Hier schon gar nicht, weil die Konzeption, dass im hier die bessere Alternative von Welt passiert, Gefangene macht.

In Österreich kann frau die Zustände der Stagnation und die Stagnation der Zustände gut am Zeitungsmarkt ablesen: Marginalisiert findet sich im Printsektor, was nicht vom Hause Mediaprint oder Fellner finanziert, sprich bestimmt wird. Eine griffige Konsequenz der Machtverteilung stellt sich in Fellners (diesmal Uschis) Frauenmagazin "Woman" dar. Eine fette Schwarte an Material hält frau da in Händen.

254 Seiten geballte Information: 50 Seiten Aktuelles inkusive PR für diverse Bürdenträgerinnen; 30 Seiten Beauty, 30 Seiten Mode; 35 Seiten Gesundheit; 81 Seiten mit Anzeigen. Es wird eine Logik der ideologischen Prinzipien zur Anwendung gebracht, formal und inhaltlich sowieso. Dass die Körperpflege=Schönheit der Frau, die hier propagiert wird, meistens nicht die großen Veränderungen in Stellung und Lebensperspektiven erbringt, für diese aber in solchen Werbemagazinen symbolisch steht, wird nicht in Frage gestellt. Das ist der Rohstoff.

Ein Medium, das nicht der sauberen Erhaltungsstrategie von Macht folgt, muss das Prinzip der Veränderung hochhalten. Den Macherinnen von "Woman" wurde also die schwierigste Arbeit a priori abgenommen.

Im Ursumpf Österreichs kann frau sich verlassen eben auf die Unkunst der Arterhaltung. Spezies Frau wird durch die tradierten Instrumentarien der Männer beschreibbar gemacht, durch die Orientierungssysteme der Wirtschaft handhabbar. Zudem sie nach harten Kämpfen der Vergangenheit jetzt teil des El Dorado ist. -?
Es macht dann auch keinen Unterschied, wenn Frauen über Frauenleben schreiben. Es gibt einen Punkt, da wird es egal, welches Geschlecht, Alter oder welche kulturelle Zugehörigkeit hinter einem Produkt steht; das Vorgedachte bestimmt, was die menschlichen Vehikel weitertransportieren.
Im Profit-Bereich wird sich schwer etwas Querstrebendes, Kritisches finden lassen, was neu gemacht, von Grund auf erbautes ist. Doch davor muss dann doch immer der Prozess des selektiven Zerstörens stehen.
(bto)

09.11.2001
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